Afghanistan: Mehr als 1000 Tote und Verletzte im Juli

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Genf (dpa) – Angesichts steigender Opferzahlen in Afghanistan hat UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths zum Schutz der Zivilbevölkerung aufgerufen. Allein im Juli seien mehr als tausend Menschen durch Angriffe in den Konfliktprovinzen Helmand, Kandahar und Herat getötet oder verletzt worden.

«Ich bin wegen der sich verschlechternden Situation extrem besorgt», sagte Griffiths am Montag in einer Stellungnahme des UN-Nothilfebüros in Genf. Griffiths unterstützte die UN-Forderung nach einem Waffenstillstand. Er forderte zudem Sicherheit und Bewegungsfreiheit für Hilfsorganisationen in dem Land. Mit Beginn des offiziellen Abzugs der internationalen Truppen aus Afghanistan am 1. Mai hatten die militant-islamistischen Taliban mehrere Offensiven gestartet. Inzwischen haben sie mehr als 160 der rund 400 Bezirke und mehrere Provinzhauptstädte erobert, darunter auch Kundus, wo die Bundeswehr jahrelang einen großen Stützpunkt hatte. Die 370.000-Einwohner-Stadt im Norden des Landes sei am Sonntag nach heftigen Kämpfen mit Regierungstruppen gefallen, bestätigten drei Provinzräte sowie ein Bewohner der Deutschen Presse-Agentur. Befürchtet wird, dass die Taliban nach dem Abzug der internationalen Truppen das ganze Land nach und nach unter ihre Kontrolle bringen. Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen warnte vor einem «Desaster».

Seit Freitag konnten die Taliban somit fünf von 34 Provinzhauptstädten erobern. Am Sonntagabend (Ortszeit) gelang ihnen dies auch in der 260.000-Einwohner-Stadt Talokan, ebenfalls im Norden. Seit Beginn des Abzugs Anfang Mai laufen mehrere Offensiven der Islamisten. Erst konnten sie vor allem im ländlichen Raum massive Gebietsgewinne verzeichnen. Inzwischen kontrollieren sie mehr als die Hälfte der rund 400 Bezirke und auch mehrere Grenzübergänge. Abgesehen von einer Militärbasis rund drei Kilometer vom Stadtzentrum und dem Flughafen kontrollieren die Taliban in Kundus nun die ganze Stadt. Dorthin seien Regierungsvertreter geflüchtet, berichteten die Provinzräte. Die Menschen in der Stadt hätten weder Wasser noch Essen. Sie hielten sich in ihren Häusern versteckt. Rund um den Flughafen gab es am Sonntagabend (Ortszeit) weitere Gefechte. Offiziellen Angaben über verletzte oder getötete Zivilisten lagen zunächst nicht vor.

Kundus hatte für die Bundeswehr, die Ende Juni nach fast 20 Jahren aus Afghanistan abgezogen war, große Bedeutung. Hier lieferten sich deutsche Soldaten stundenlange Gefechte mit den Taliban. Nirgendwo in Afghanistan fielen mehr deutsche Soldaten als in Kundus und der Nachbarprovinz Baghlan. Im Vorjahr waren im «Camp Pamir» noch etwa 100 deutsche Soldaten stationiert, um afghanische Sicherheitskräfte auszubilden.

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