Durch Corona ist die Arbeitslosigkeit nicht signifikant gestiegen. Nach Einschätzung der Ökonomen ist das im Wesentlichen ein Verdienst des Kurzarbeitergeldes. Für Menschen ohne Beschäftigung wird es aber immer schwieriger, einen neuen Job zu finden. Eine Anfrage der Linken-Fraktion an die Bundesagentur für Arbeit kommt zu dem Schluss, das der Arbeitsmarkt zunehmend gespalten ist.

Als Detlef Scheele, der Vorstandsvorsitzende der BA, die März-Arbeitsmarktdaten präsentierte, sprach dieser von einer „spürbaren Frühjahrsbelebung“. Im März 2021 sank die Zahl der Arbeitslosen um 77.000 auf 2,827 Millionen Menschen. Erkennbar nimmt der Arbeitsmarkt Fahrt auf. Schaut man sich die Zahlen etwas genauer an, ist festzustellen, dass die Corona-Krise zu schweren Verwerfungen am Jobmarkt führt. Besonders bemerkbar macht sich das im Umfeld niedrig qualifizierter Tätigkeiten.

Im Helferbereich ist im Vergleich zum Vorjahr die Arbeitslosigkeit um knapp 38% gestiegen. Aber nicht mehr nur die Helferjobs sind von den Corona-Folgen betroffen. Auch im Umfeld der Fachkräfte – also der Arbeitnehmer mit zumindest einer abgeschlossenen Berufsausbildung – ist die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 22% gestiegen. In diesem Kontext kritisierte die Arbeitsmarktexpertin der Linken im Bundestag, Sabine Zimmermann: „Die verfehlte Krisenpolitik der Bundesregierung hat Hunderttausende Beschäftigte in die Arbeitslosigkeit gestürzt. Das Instrument der Kurzarbeit ist ein löchriger Schutzschirm.“

Zwar fällt die Arbeitslosenquote mit 6,2% moderat niedrig aus, allerdings ist das Experten zufolge im Wesentlichen dem Kurzarbeitergeld zu verdanken. Enzo Weber, Leiter des Forschungsbereichs Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen des bei der BA angesiedelten Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB), konstatiert nüchtern: „Es hätte viel schlimmer kommen können. Schon seit der Finanzkrise 2009 hat man gesehen, dass Arbeitskräfte knapper werden. Die Unternehmen haben daher, unterstützt durch arbeitsmarktpolitische Instrumente wie das Kurzarbeitergeld, an ihnen festgehalten. Die Beschäftigung hat sich von der Konjunktur stärker emanzipiert.“

Sorge bereitet den Arbeitsmarktexperten eine Spaltung des Arbeitsmarktes. „Wer in der Krise seinen Job behalten hat, ist ziemlich gut abgesichert“, so Holger Bonin, Forschungsdirektor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IAB). Offenkundig vermeiden Unternehmen zwar signifikanten Personalabbau, aber für Arbeitslose und Berufseinsteiger wird es eng am Arbeitsmarkt, da sich die Unternehmen bei Neueinstellungen spürbar zurückhalten und erst einmal in Wartestellung verharren. IAB-Experten sprechen schon von einer „Generation Corona“, mit dem Risiko dauerhaft schlechterer beruflicher Perspektiven und niedrigeren Gehältern. Hinzu kommen die rund 420.000 Schulabbrecher in den Jahren 2020 und 2021, welche die Landesjugendämter befürchten.

Das Kurzarbeitergeld löst dieses Problem nicht. Sinn und Zweck des Kurzarbeitergeldes ist die Stabilisierung bestehender Beschäftigungsverhältnisse, nicht die Schaffung neuer Jobs. Das IAB wirbt aus diesem Grund für Neueinstellungszuschüsse. Arbeitgeber könnten beispielsweise vorübergehend von den Sozialversicherungsbeiträgen befreit werden. Den Ausfall könnte der Bund übernehmen.

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