Kaum hat man die Fachhochschulreife oder das Abitur in der Tasche, kommt die Frage von allen Seiten: Was kommt danach? Beginnt man ein Studium und vertieft theoretisches Wissen oder wagt man durch eine praxisorientierte Ausbildung direkt den Sprung in den Arbeitsmarkt. Wobei eine Ausbildung ein Studium im Anschluss keinesfalls ausschließt. Egal für welchen Weg man sich entscheidet, muss bereits im Vorfeld klar sein: beide Wege haben Vor- und Nachteile!

Kinder werden heute häufig schon mit fünf Jahren eingeschult und viele Bundesländer haben auf ein Abitur nach 12 statt 13 Schuljahren umgestellt (das sogenannte „G8-Abitur“). All das führt dazu, dass sich Abiturienten oft schon mit 17, noch nicht einmal volljährig, für eine Ausbildung oder Studium entscheiden müssen. Die Chance zu studieren, wollen sich viele Abiturienten nicht entgehen lassen: Der Grund hierfür kann rein monetärer Natur sein. Langfristig betrachtet sind die Gehaltsaussichten für Akademiker deutlich besser als für Arbeitnehmer mit einer Berufsausbildung. Auszubildende hingegen sind deutlich früher unabhängig von ihren Eltern und beziehen ein regelmäßiges Einkommen in Form der Ausbildungsvergütung. Nach erfolgreicher Beendigung der Ausbildung kann ein Facharbeiter anfänglich zwar durchaus mehr verdienen als ein Hochschulabsolvent. Insbesondere in Fällen, in denen Hochschulabsolventen nicht sofort einen Job finden und sich mit befristeten, studienfremden Arbeiten durchschlagen müssen. Aber auch in solchen Konstellationen holt der Akademiker schnell auf.

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Aktueller Trend: Studium

Deutschland hat heute eine Million Studenten mehr als 1991. Es gibt mehr Studenten als junge Menschen in Ausbildung. 70 Jahre lang war das umgekehrt. Doch die OECD lobt, dass Deutschland das einzige Land sei, das in kurzer Zeit seine Studierendenzahl um 20 Prozent steigern konnte – fast auf OECD-Schnitt. Wenig überraschend ist, dass im im letzten Jahr deutlich weniger Ausbildungsplätze angeboten wurden. Viele Betriebe entscheiden sich offensichtlich wegen der unsicheren wirtschaftlichen Aussichten – Stichwort Corona – eher dagegen, einen jungen Menschen auszubilden, obwohl die Bundesregierung auch hierfür mit dem Ausbildungsbonus Anreize für die Unternehmen geschaffen hat. In Zahlen ausgedrückt: Zwischen Oktober 2019 und September 2020 verzeichneten die örtlichen Agenturen für Arbeit Jobcenter gut 530.000 offene Ausbildungsplätze. Das waren fast 42.000 Plätze weniger als im Vorjahreszeitraum, ein Minus von 12 Prozent. Aber auch die Anzahl derjenigen, die nach einem Ausbildungsplatz suchen, ist rückläufig: Vom 1. Oktober 2019 bis Ende Oktober 2020 haben sich 473.000 Suchende bei den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern gemeldet. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum waren das knapp 39.000 Menschen weniger. Auch das entspricht einem Minus von 12 Prozent.

Infografik: Studium versus Ausbildung | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Bildungswege werden durchlässiger

Ob sich Abiturienten für Ausbildung oder Studium entscheiden – die Berufswahl muss heute keine Festlegung fürs ganze Leben mehr sein. Bundesregierung, Länder, Unternehmen und Verbände bemühen sich, die Bildungswege durchlässiger zu machen. Auch nach einer Ausbildung kann man später noch studieren.

Meister seltener arbeitslos als Akademiker

Auch mögliche Arbeitslosigkeit in der Zukunft sollte zumindest im Hinterkopf behalten werden. Die Regel, dass ein Studium am besten vor Arbeitslosigkeit schützt, ist inzwischen überholt bzw. widerlegt. Laut einer IAB-Studie aus dem Jahr 2015 liegt die Arbeitslosenquote bei Akademikern bei lediglich 2,5%, die der Meister und Techniker (Nicht-Akademiker) aber mit 2,0% etwas tiefer. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote bei Erwerbsfähigen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung oder dem Besuch einer Fachschule liegt bei 5,1%, also immer noch unter der gesamten Arbeitslosenquote.

Karriereplanung bedenken

Bei der Entscheidung Ausbildung oder Studium sollte auch eine Rolle spielen, welche Karriere lamgfristig angestrebt wird. Für viele Berufe und Tätigkeiten ist ein Studium Voraussetzung für den Berufseinstieg. Das setzt sich fort, wenn es um den Schritt in eine Führungsposition geht. Diese sind oft nur mit Hochschulabschluss zu erreichen. Das klassische „Hocharbeiten“, wie man es vielleicht noch von den Eltern kennt, funktioniert heutzutage nur noch in den seltensten Fällen. In manchen Branchen sollte es sogar ein Master sein oder, wie in manchen medizinischen oder naturwissenschaftlichen Berufen, ein Doktor-Titel. Bei der Entscheidung Ausbildung oder Studium müssen also auch die weiteren Pläne überdacht werden.

THEMEN: Ausbildung, Jugendliche, Bildung