Biden will in Europa Stärkung der Lieferketten thematisieren

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Washington (dpa) – Die US-Regierung will stärker mit Partnern und Verbündeten zusammenarbeiten, um Schwachstellen in den globalen Lieferketten zu verringern und unabhängiger von Rivalen wie China zu werden. Präsident Joe Biden wolle das Thema bei seiner Europa-Reise, zu der er in dieser Woche aufbricht, auf die Agenda setzen, sagte eine Regierungsbeamtin am Montag (Ortszeit).

Hintergrund ist eine von Biden angeordnete Überprüfung der Lieferketten, bei der Halbleiter, Batterien mit großer Kapazität, sogenannte Seltene Erden und Arzneimittel im Fokus standen. Die Pandemie und die daraus resultierende Wirtschaftskrise hätten die strukturelle Schwäche der nationalen und internationalen Lieferketten offengelegt, die die wirtschaftliche und nationale Sicherheit der USA gefährde, hieß es aus dem Weißen Haus. Verantwortlich dafür seien fehlende Investitionen in der Vergangenheit, aber auch unfaire Handelspraktiken anderer Länder und ein Wirtschaftsmodell, das nicht auf Nachhaltigkeit ausgerichtet gewesen sei.

Den Engpässen unter anderem im Bau oder bei Halbleitern soll sich in Washington nun eine neue Arbeitsgruppe annehmen, die vom Wirtschafts-, Verkehrs- und Landwirtschaftsministerium geleitet wird. Ins Leben ruft die Regierung auch eine beim Büro der US-Handelsbeauftragten angesiedelte «Handelseinsatztruppe», die Anstrengungen gegen unfaire Handelspraktiken unternehmen soll.

Globale Lieferketten

Nicht überall auf der Welt arbeiten Menschen unter guten Bedingungen. Dass Gesundheits- und Arbeitsschutz in globalen Lieferketten oft mangelhaft sind, offenbart auch die Corona-Krise. Wir konsumieren Obst aus Südafrika, Schokolade von der Elfenbeinküste und Kaffee aus Brasilien. Wir tragen Kleidung, die in Asien gefertigt wird und unser Smartphone besteht aus Einzelteilen, die in der ganzen Welt hergestellt werden – und zwar von Menschen, die mit ihrer Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen. Doch nicht überall in den globalen Lieferketten sind die Arbeitsbedingungen gut. Laut einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) werden weltweit fast 25 Millionen Menschen in Zwangsarbeit ausgebeutet, fast jedes zehnte Kind ist Opfer von Kinderarbeit. Diese Zahlen sind erschreckend und nicht hinnehmbar. Deswegen hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) die EU-Ratspräsidentschaftgenutzt, um das Thema mit den EU-Partnerinnen und ‑Partnern weiter voranzubringen, sodass europäische Unternehmen die Menschenrechte in ihren Lieferketten achten – nicht nur in Europa, sondern weltweit.

THEMEN: Nachhaltigkeit, Logistik, Joe Biden