Bill Hwang – das Mastermind hinter Archegos Capital

„Hedgefonds-Schieflage belastet Wall Street – Banken“, so titelte gestern das manager magazin und bezieht sich dabei auf den wahrscheinlichen Zahlungsausfall von Archegos Capital, dem Hegdefonds und Family Office des undurchsichtigen Bill Hwang, der sein Handwerk beim Vater der Hedgefonds, Julian Robertson, und dessen Firma Tiger Management gelernt hat.

Hwang, inzwischen 56 Jahre alt, kam als Jugendlicher mit seinen Eltern aus Korea in die USA und diente sich bis zum Aktienanalysten bei Tiger Management hoch. Tiger Management, auch unter dem Namen Tiger Fund bekannt, wurde Anfang der Achtziger von Julian Robertson in New York gegründet und war einer der ersten Hedgefonds überhaupt. Robertson, heute bereits hochbetagt, ging nach der Universität in Chapel Hill und der Ableistung seines Militärdienstes als Aktienhändler zur inzwischen in der UBS aufgegangenen Brokerfirma Kidder, Peabody &. Co. und entschloss sich dann im Jahr 1980 zur Gründung von Tiger Management. Bereits im Jahr 1997 war Tiger Management mit rund 10,5 Milliarden Dollar der zweitgrößte Hedgefonds weltweit. Knapp ein Jahr später hatten sich die Assets under Management bereits auf 22 Milliarden Dollar fast verdoppelt. In diesem Umfeld erwarb sich Bill Hwang seine ersten Sporen und war in zumindest einem Jahr der Bestperformer, mutmaßlich auch Bestverdiener, bei Tiger.

2000 war Schluss mit Tiger Management und Hwang entschloss sich – mit wesentlicher Unterstützung seines ehemaligen Chefs und Mentors Robertson – zur Gründung seines eigenen Hedgefonds, Tiger Asia Management, der in Hochzeiten mehrere Milliarden Dollar schwer war und bis zu 20%, manche sprechen von 40%, Rendite erwirtschaftete.

Es wäre alles so schön weitergegangen, hätte sich Hwang brav an die Gesetze gehalten. Nachdem ihm vorgeworfen wurde, Insiderinformationen für Leerverkäufe genutzt zu haben, musste er nicht nur knapp 45 Millionen Dollar an Strafen und Entschädigungen bezahlen, sondern erhielt auch in Hongkong lebenslanges Hausverbot, ähh Handelsverbot.

All das hielt Hwang aber nicht davon ab einen Neustart zu wagen. Als sein eigenes Family Office kam er unter dem Namen Archegos Capital zurück auf die Bühne des großen Geldes. In der Vergangenheit hatte sich Hwang – dessen zweifelhafter Ruf eigentlich bei jedem halbwegs seriösen Banker Fluchtverhalten auslösen sollte – bei verschiedenen Banken stattliche Summen geliehen, um riskante Wetten auf Aktien einzugehen. Eigentlich kein Problem – war er doch bis zu 10 Milliarden schwer. Es dürfte in den letzten Tagen deutlich weniger geworden sein. Einigen Geldhäusern dürften die Wetten zu heiss geworden sein, da die zugrundeliegenden Aktienpakete deutlich an Wert eingebüßt haben. Ein Margin Call war unausweichlich und die Geldhäuser veräußerten die bei Ihnen als Sicherheit hinterlegten Papiere. Banken – darunter große Namen wie die Credit Suisse oder Nomura – zittern wegen Milliarden an Dollar in Gefahr und die Börsen spielen verrückt. Laut Reuters dürfte CS Group auf rund 1 Milliarde Dollar und die japanische Nomura auf mindestens 2 Milliarden Dollar Verlust sitzenbleiben. Für Goldman Sachs seien Medienberichten zufolge die Verluste unerheblich. Auch die Deutsch-Banker aus Frankfurt reagierten entspannt.

Der Ausverkauf riss aber auch die Aktien der beteiligten Banken in die Tiefe. Goldman Sachs verlor etwa zwei Prozent, die Aktie der Credit Suisse gab am Montag bereits um zehn Prozent und die der japanischen Nomura sogar um 16 Prozent nach.

Lassen wir uns überraschen, ob und wie sich Hwang aus der Affäre zieht. Im Youtube-Interview aus dem Jahr 2018 führte Hwang weltmännisch aus, es ginge ihm ohnehin nicht ums schnelle Geld. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt :-).

THEMEN: Kreditwirtschaft, Anlagebetrug