Wer erinnert sich nicht an den 2005 erschienenen Spielfilm „Lord of War – Händler des Todes“, in dem Nicolas Cage in der Hauptrolle vom unterprivilegierten ukrainischen Einwanderer zu einem der größten, illegalen Waffenhändler aufsteigt. Angelehnt ist die Hauptrolle des von Cage verkörperten Yuri Orlov an den real existierenden Russen Wiktor Anatoljewitsch But, einen bis 2008 agierenden Transportunternehmer und Waffenhändler, der 2011 unter anderem wegen Verschwörung zum Mord und Waffenhandel vom New Yorker Bundesgericht zu einer Mindeststrafe von 25 Jahren und einer Geldstrafe in Höhe von 15 Millionen Dollar verurteilt wurde. Um mit Kriegen und militärischen Konflikten Reibach zu machen, muss man heutzutage nicht mehr aus der Illegalität agieren. Das beste Beispiel hierfür sind PMC – die, teilweise sogar börsennotierten, Private Military Companies.

In den Anfangszeiten der PMC wurden Privatarmeen angeheuert, um gefährdete Staaten zu schützen, irgendwelchen afrikanischen oder südamerikanischen Rebellen zum Sieg zu verhelfen oder sonstige schmutzige Arbeit für Armeen zu übernehmen. Inzwischen sind die Militärdienstleister in der seriösen Politik und teilweise auch auf den Kapitalmärkten angelangt. Die großen Market Player sitzen an den Knotenpunkten der Macht, übernehmen Spionage- und Geheimdienstaufgaben und verteidigen geopolitische Interessen – vor allem der Weltmacht Nummer Eins.

Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts spielten Privatarmeen keine große Rolle. Erst mit dem Ende des Kalten Krieges gab es eine erste Entwicklung zu rudimentären Formen der heutigen privaten Sicherheits- und Militärunternehmen. Beigetragen zu dieser Entwicklung hat sicher auch der Trend zur Auslagerung bestimmter Aufgaben in die Privatwirtschaft, der von staatlichen Stellen zunehmend übernommen und schlussendlich auch auf das Militär angewendet wurde. Mit der weltweiten Reduzierung der Armeestärken aufgrund des Endes des Kalten Krieges um 1990 entstand ein Überangebot an gut ausgebildeten, aber arbeitslosen, Soldaten. Insbesondere die Abrüstung des Sowjetmilitärs durch den Zerfall der damaligen UdSSR sowie anderer ehemaliger Ostblock-Armeen hinterließ eine große Anzahl arbeitsloser Soldaten. In Argentinien und Südafrika waren Teile der Heere nach politischen Wechseln in der Staatsführung diskreditiert.

So entstand auch um 1989 in Südafrika einer der ersten privaten Militärdienstleister, Executive Outcomes (EO).

Eeben Barlow, Gründer von Executive Outcomes

Executive Outcomes (EO) kann man sicherlich als „Mutter“ der Privatarmeen bezeichnen. Die Methodik und Arbeitsweise von EO ist noch immer die Basis für die PMC-Einsätze in den Krisenherden dieser Welt. EO wurde Anfang der neunziger Jahre von Luther Eeben Barlow, einem ehemaligen Offizier der südafrikanischen Armee, gegründet und bot eigentlich Kurse und Sicherheitstrainings für südafrikanische Spezialkräfte aber auch für Mitarbeiter des Diamantenunternehmens DeBeers an. 1993 wurden die geschäftlichen Aktivitäten erheblich ausgeweitet, als EO den Auftrag erhielt, für die Sicherheit der Mitarbeiter einer großen Ölgesellschaft zu sorgen. UNITA-Rebellen hatten im angolanischen Hafen Soyo wertvolles Bohrgerät geraubt und EO-Kräfte konnten es wieder in den Besitz der Ölgesellschaft bringen. Für diesen eigentlich auf einen Monat ausgelegten Auftrag rekrutierte Barlow Ex-Mitglieder südafrikanischer Elite-Militäreinheiten. Aufgrund des Erfolgs in Soyo wurde der Auftrag verlängert und EO-Kräfte führten die angolanische Armee beim Angriff und der Festnahme von UNITA-Rebellen an. Diese äußerst erfolgreiche Operation führte zu einem Vertrag über die Ausbildung der angolanischen Armee. Sowohl UNITA als auch MPLA hatten 1992 an von den Vereinten Nationen überwachten Wahlen teilgenommen, aber UNITA hatte die Ergebnisse nach der Niederlage abgelehnt und war in den Bürgerkrieg zurückgekehrt. In einer blutigen Schlacht eroberten von EO angeführte Einheiten der angolanischen Armee Cafunfo, eine Stadt im Nordosten Angolas, deren Diamantenabbaugebiete den Terror der UNITA finanzierten. Auf Druck der Vereinten Nationen musste sich EO aus Angola zurückziehen und kurz darauf versank das Land wieder im Chaos eines blutigen Bürgerkriegs. Es kostete die UN Milliarden Dollar dem Chaos in Angola auch nur halbwegs Einhalt zu gebieten.

Der nächste Einsatz führte Barlows Privatarmeen 1995 nach Sierra Leone. Dort schickten sich bewaffnete, marodierende RUF-Rebellen an, die Hauptstadt Freetown zu erobern. EO schlug die Rebellen erfolgreich zurück und ermöglichte dadurch die ersten freien Wahlen in dem afrikanischen Land. Auch Sierra Leone musste EO auf Druck der UN verlassen, der es trotz dem Einsatz von 20.000 Soldaten der Friedenstruppen nicht gelang für Stabilität zu sorgen. Die Rebellen formierten sich neu, nahmen häufig UN-Soldaten als Geiseln und führten wieder das alte blutige Regime ein.

Offiziell löste sich EO im Jahr 1999 auf, da sich die südafrikanische Gesetzgebung gegen Söldnerunternehmen ausgesprochen hatte. Zwar gründete Barlow 2006 gemeinsam mit Partnern wieder ein privates Militärunternehmen (STTEP Specialised Tasks, Training, Equipment and Protection International). Dieses spielt aber heute unter den großen Market Playern keine Rolle mehr.

Im Jahr 2007 veröffentlichte Luther Eeben Barlow seine Autobiographie. Viele Unwahrheiten wurden über Executive Outcomes (EO) geschrieben. Hier kommt die Geschichte der Firma von dem Mann, der sie gegründet und viele Jahre geleitet hat. Eeben Barlow beginnt mit Berichten über seine Zeit als Soldat im Buschkrieg in Angola und berichtet von Geheimdienstarbeit jenseits von James-Bond-Romantik während seiner Zeit beim südafrikanischen Geheimdienst. Er erzählt, wie es zur Gründung von EO kam und wer ihm die ersten Aufträge beschafft hat. Er legt alle Aufträge und Auftraggeber offen und zeigt auch die hohe Effizienz auf, mit der EO im Vergleich zu anderen Organisationen gearbeitet hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.