Börsennotierte Cannabisunternehmen werden immer mehr und manche Papiere kennen aktuell nur eine Richtung: nach oben. Allerdings ist auch das Risiko entsprechend hoch. Momentan werden in einigen Bundesstaaten der USA Maßnahmen umgesetzt, die den Konsum von Cannabis entkriminalisieren sollen. Dies hatten die Demokraten im Wahlkampf versprochen und die großen Player wittern die Chance, dass sich der hochattraktive, amerikanische Markt für sie öffnet. Unabhängig davon, sind Cannabis-Aktien eine heiße Wette. Der Markt ist zersplittert, die Kurse schwanken erheblich und einige Unternehmen sind so hochbewertet, dass führende Analysten im aktuellen Umfeld eher von einem Investment abraten. Dennoch spricht für eine Investition in den Markt das unglaubliche Wachstumspotenzial, das die Autoren der Studie „Cannabis Market to 2027“ prognostizieren. Die Autoren der Studie rechnen mit einer jährlichen Wachstumsrate im Zeitraum 2020 bis 2027 von 29,1%. Valomoney schaut sich den Markt etwas genauer an.

Die größten und bekanntesten Produzenten haben ihren Sitz in Kanada, weil dort der medizinische Konsum von Cannabis bereits vor rund 10 Jahren legalisiert wurde. Im Oktober 2018 wurde dann auch in Kanada der Konsum quasi für Jedermann erlaubt. Mit dem sogenannten „Recreational marihuana“ wollte man Schmugglern und Dealern das Geschäft unattraktiv machen. Die Folge war ein Boom bei Cannabis-Unternehmen: Die Unternehmen schufen große Anbaukapazitäten und manche wagten den Gang an den Kapitalmarkt. Zu den großen, börsennotierten Playern gehören:

Canopy Growth ISIN CA1380351009

Canopy Growth wurde 2014 von Bruce Linton unter dem Namen Tweed Marijuana Inc. gegründet und ist gemessen an der Marktkapitalisierung der größte Konzern in der Branche des medizinischen Cannabis. Einer der Großaktionäre ist die us-amerikanische Constellation Brands Inc., ein Unternehmen der Getränkeindustrie, mit rund 38% der Anteile. In den vergangenen Jahren expandierte Canopy durch Zukäufe in Europa. So übernahm Canopy 2018 den Vaporizerhersteller Storz & Bickel in Tuttlingen und in 2019 die Cannabinoidsparte von Bionorica, einem mittelständischen Hersteller von pflanzlichen Arzneimitteln, mit Standorten im bayrischen Neumarkt i. d. Oberpfalz und im hessischen Frankfurt am Main.

Aphria ISIN CA03765K1049

Aphria ist ein in Leamington, Ontario ansässiger Hersteller von medizinischem Cannabis und zählte in 2018 mit einem Börsenwert von rund 3,8 Milliarden Dollar zu einem der großen Player der Branche. Bereits ein Jahr nach Gründung im Jahr 2013 erhielt das Unternehmen die Lizenz zur Produktion und Vertrieb von medizinischen Cannabis-Produkten durch das kanadische Gesundheitsministerium. Über die Konzerntochter Aphria Deutschland betreibt der Konzern in Neumünster ein großes Gewächshaus zum Anbau der Pflanze Cannabis sativa. Aktuell liegt das Nachfragemonopol noch beim deutschen Gesundheitsministerium, das für die weitere Verteilung des Cannabis an berechtigte Patienten zuständig ist.

Tilray ISIN US88688T1007

Tilray wurde 2013 gegründet und wurde im Dezember 2016 der erste Hersteller von medizinischem Cannabis auf dem nordamerikanischen Kontinent, der GMP-zertifiziert wurde. Inzwischen hat Tilray seinen Sitz im kanadischen Nanaimo. Der Börsengang an der New Yorker NASDAQ erfolgte im Juli 2018. Einige Monate später unterzeichnete Tilray einen Vertrag mit einer Novartis-Tochter über den Verkauf, den Vertrieb und das Co-Branding von Tilray über nicht rauchbare medizinische Cannabis-Produkte auf allen legalen Märkten weltweit. Der Grünen-Politiker und frühere Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, Joschka Fischer, wurde Anfang 2019 Gründungsmitglied des internationalen Beirats von Tilray, der bei der Umsetzung einer „offensiven weltweiten Wachstumsstrategie“ unterstützen soll.

Aphria und Tilray haben Ende letzten Jahres ihre Fusion verkündet, die in 2021 vollzogen werden soll. Sollte der Zusammenschluss tatsächlich erfolgen, entstünde ein Marketplayer mit einem jährlichen Gesamtumsatz von etwas mehr als einer halben Milliarde Euro.

Cannabis Exchange Traded Funds

Wem ein Investment in Einzelaktien zu risikoreich erscheint, kann auch in einen der relativ jungen, spezialisierten ETF investieren. Hier können Sie Ihr Risiko durch Diversifikation minimieren und dennoch vom Wachstum des Marktes profitieren.

Rize Medical Cannabis and Life Sciences UCITS ETF

Der Rize Medical Cannabis and Life Sciences UCITS ETF (BLUM) versucht, den Foxberry Medical Cannabis & Life Sciences Index abzubilden, der ein Exposure zu Unternehmen bietet, die in den globalen medizinischen Cannabis- und Cannabis-bezogenen Biowissenschaftssektoren tätig sind, mit einem Schwerpunkt auf Unternehmen in den Sektoren Biotechnologie/Pharma, Hanf und Cannabidiol (CBD).

HANetf The Medical Cannabis and Wellness UCITS ETF

Der Medical Cannabis and Wellness UCITS ETF ist ein OGAW-konformer börsengehandelter Fonds mit Sitz in Irland. Der Fonds bildet den regelbasierten Medical Cannabis und Wellness Equity Index von Solactive ab, der aus börsennotierten Unternehmen besteht, die in neun thematischen Teilsektoren der medizinischen Cannabis-, Hanf- und CBD-Industrie rechtlich zugelassene Geschäftstätigkeiten ausüben. Der Fonds ist bestrebt, ein gezieltes Engagement in der schnell wachsenden legalen medizinischen Cannabisindustrie zu ermöglichen, die weiter wachsen dürfte dank der fortschreitenden Legalisierung von medizinischem Cannabis in immer mehr Länder.

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