Seit rund einem Jahr befindet sich Deutschland im mal mehr oder weniger ausgeprägten Lockdown. Der Einzelhandel – mit Click&Collect oder Click&Meet – fährt nur auf Sicht und ist weit entfernt von Umsätzen vor der Pandemie. Gastronomie und Hotellerie sind komplett dicht und auch das kulturelle Leben beschränkt sich auf digitale Angebote a la Netflix und Co. Insoweit möglich arbeiten die Beschäftigten im Home Office. Dies hat weitreichende Folgen für eine beliebte Anlageklasse: offene Immobilienfonds.

Dem sprichwörtlichen Betongold könnten schwere Zeiten bevorstehen. Bereits im ersten Lockdown war abzusehen, dass etliche Gewerbemieter nicht in der Lage sein würden, weiterhin – teilweise horrende – ihre Mieten zu bezahlen. Knapp ein halbes Jahr später im Sommer/Herbst 2020 sah es für Gastronomie, Hotellerie und weite Teile des Einzelhandels noch schlimmer aus. Auch der Trend zu Home Office – Lösungen, der sich wahrscheinlich auch der der Pandemie fortsetzen wird, lässt die Nachfrage nach Büroflächen signifikant sinken.

Nicht verwunderlich ist, dass viele Gewerbemieter mit den Eigentümern um Stundungen und/oder Mietzinsreduzierungen verhandeln. Wolfgang Köbler von der KSW Vermögensverwaltung in Nürnberg erklärt, dass nicht nur die Unternehmen der Immobilienwirtschaft von der Pandemie betroffen seien, sondern auch Millionen von Anlgern, die Anteile an diesen Fonds halten. Laut Fondsverband BVI waren per Stand September 2020 rund 116 Milliarden Euro in offenen Immobilienfonds investiert.

Aktuell halten die meisten Anleger aber noch die Füße still. Von einem Run wie nach der Finanzkrise 2008/2009 verspürt die Branche aktuell noch nichts. Damals hatten die Investoren reihenweise ihre Investition aus den Produkten abziehen wollen. Dies führte zur zeitweiligen Schließung von knapp 20 Immobilienfonds geführt. In der Zwischenzeit wurden aber auch die gesetzlichen Regelungen verschärft, so dass die Fonds nicht mehr so ausgeprägt unter Druck geraten, wenn sich eine Krisensituation anbahnt.

Unabhängig von den Hochglanzprospekten der Initiatoren und den eigenen Gutachten bezüglich der Wertentwicklung zeichnet sich an der Börse ein realistischeres Bild ab. Deutliche Einbrüche von bis zu 20% und eine Nullrendite nach 3 Jahren sprechen eine andere Sprache als die Prospekte der Initiatoren.

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