Konsumentenkredite werden oftmals mit Restschuldversicherung an den Mann oder die Frau gebracht. Für die Bank, so der Tenor der Finanzwirtschaft – soll dadurch das Darlehen abgesichert werden, falls der Kreditnehmer – z. B. durch Arbeitslosigkeit – den Kapitaldienst, sprich Tilgung und Zins, nicht mehr stemmen kann. Die Kosten für diese Art der Versicherung sind immens und bleiben dem Kunden oftmals verborgen.

Aktuell sind Kredite günstig wie noch nie. Konsumentenkredite mit einer fünfjährigen Laufzeit werden derzeit für durchschnittlich 3,92% p. a. angeboten. Wer heute einen Ratenkredit aufnimmt, zahlt über die Laufzeit von fünf Jahren gerade einmal rund 522 Euro Zinsen. Soweit so günstig. Der eine oder andere Kunde muss für den Kredit aber deutlich tiefer ins Portemonnaie greifen. Nämlich dann, wenn ihm die Bank eine Restschuldversicherung zum Kredit verkauft. Wer nun meint, die Bank verkauft dieses Produkt aus reiner Nächstenliebe, der irrt. Die Finanzaufsicht Bafin hat schon 2017 festgestellt, dass Versicherer den Kreditinstituten für die Vermittlung von Restschuldversicherungen Provisionen von teils mehr als 50 Prozent der Versicherungsprämie bezahlen. Die hohe Provision sei ein starker Anreiz, möglichst viele solcher Versicherungen mit möglichst hohen Prämien zu verkaufen, hieß es damals seitens der Bafin.

Die Bundesregierung will daher die Abschlussprovisionen für Restschuldversicherungen begrenzen. Ein entsprechender Vorschlag soll zeitnah vom Kabinett auf den Weg gebracht werden, wie die Deutschen Presse-Agentur aus Regierungskreisen erfuhr. Demnach sollen zum Schutz der Verbraucher künftig nur noch Provisionen von maximal 2,5 Prozent der versicherten Darlehenssumme erlaubt sein. Das Finanzministerium hatte bereits 2019 einen Gesetzentwurf zur Deckelung der Provisionen vorgelegt. Er war in der Großen Koalition allerdings ausgebremst worden, weil zugleich auch die Provisionen für Lebensversicherungen gedeckelt werden sollten. Dieser Aspekt sei nun erst einmal zurückgestellt worden, erfuhr die dpa.

Aber warum tauchen die Kosten der Restschuldversicherung nicht im effektiven Jahreszins auf?

Hier bewegen sich die Banken und Sparkassen in einer rechtlichen Grauzone bzw. nutzen eine gesetzliche Lücke aus. Laut Preisangabenverordnung (PAngV) muss der Effektivzins die Gesamtkosten des Darlehens enthalten. Nicht unbedingt gilt dies aber für frei vereinbare Darlehensvertragsbestandteile. Somit taucht dann die Restschuldversicherung sehr häufig in den Kreditunterlagen als freiwillig abgeschlossen auf.

Laut einer Erhebung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht sieht die Realität etwas anders aus: zwar geben 8 von 10 Kreditkunden an, dass sie wüssten, das der Kredit auch ohne zusätzliche Restschuldversicherung abgeschlossen werden kann, allerdings hatte mehr als die Hälfte der Kunden den Eindruck vermittelt bekommen, den Kredit nur mit dem Abschluss einer Restschuldversicherung zu erhalten.

Achten Sie daher beim Abschluss eines Kreditvertrages darauf, dass Sie keine Restschuldversicherung abschließen. Beim Abschluss eines kleineren Ratenkredits ist von einer solchen Versicherung regelmäßig eher abzuraten. Üblicherweise stehen die Kosten für derartige Policen in keinem Verhältnis zur Leistung. Typische Risiken (Arbeitslosigkeit) sind oft aufgrund von zahlreichen verklausulierten Ausschlüssen in den Versicherungsbedingungen nicht ausreichend abgesichert. Dazu passt auch, dass laut Bafin im Jahr 2017 8,2 Millionen Verträge im Umlauf sind. Im Jahr 2015 hat es aus Restschuldversicherungen lediglich 5.000 Leistungsfälle gegeben. Auch wenn beide Jahre nicht vergleichbar sind kann davon ausgegangen werden, dass die Restschuldversicherung lediglich im kleinen Promillebereich tatsächlich einspringt und Leistungen erbringt.

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