Das Luxusimperium von Bernard Arnault

Bernard Arnault ist nicht umsonst der reichste Europäer. Laut Auswertung des Forbes Magazins wird sein Vermögen im Jahr 2020 mit rund 76 Milliarden Dollar angegeben. Der heute 71jährige Franzose beherrscht über seine Holding Groupe Arnault eine große Mehrheit im Bereich der Luxusgüter. Sein Aufstieg zum Milliardär begann im Jahr 1985 als er dem finanziell angeschlagenen Textilkonzern Boussac Saint Freres, zu dem seinerzeit auch das Modeunternehmen Christian Dior gehörte, aus der Patsche half. Nach der Sanierung des Unternehmens filetierte er es und verkaufte große Teile gewinnbringend. Auch ist es ihm im Jahr 1987 gelungen, Christian Lacroix im Modebusiness zu etablieren. Sein größter Coup gelang ihm dann einige Jahre später, als er Anteile an LVMH, dem Zusammenschluss des Lederwarenunternehmens Louis Vuitton und dem Champagnerhersteller Moet Hennessy, erwarb. 1989 konnte er dann die Aktienmehrheit an LVMH erwerben und wurde trotz erheblichem Widerstand von Seiten der Gründungsfamilien Präsident des Luxusgüterkonzern. Kaum ein Fashionhipster oder die modebewusste Frau mit entsprechendem Geldbeutel kommen ohne die Produkte aus dem Arnault’schen Markenkosmos aus. Zum Frühstück ein Glas Dom Perignon oder Ruinart, am Nachmittag flanieren durch die Innenstadt mit der edlen Louis Vuitton Handtasche und shoppen bei Givenchy, Kenzo, Fendi oder Marc Jacobs – alle Wege führen hier nicht nach Rom, sondern zu Bernard Arnault. Am Abend – im Kleid von Dior und parfümiert mit einem Duft von Bulgari – ins Theater und den Tag mit einem Glas Hennessy Cognac ausklingen lassen. Raten Sie mal? Auch hier ist LVMH und Bernard Arnault allgegenwärtig.


Lohnt sich ein Investment in LVMH?

Die Analysten überschlugen sich Ende Januar 2021 damit, ihre Kursziele für die Aktie von LVMH anzuheben. Alleine fünf Bank-Analysten hoben ihr Ziel für die Aktie in den ersten Stunden nach der Veröffentlichung der Ergebnisse an, im Schnitt ging es von 522 auf 556 Euro nach oben, das höchste der neuen Kursziele lag bei 604 Euro. Wenn man sich das 2020er-Zahlenwerk, das LVMH vorlegte, indes genauer ansieht, wundert es nicht, dass die Anleger den Jubel der Analysten nicht teilten.

Auf operativer Basis fiel der Umsatz im Jahr 2020 um 16 Prozent. Der Nettogewinn sackte sogar um 34 Prozent durch. Was sollte daran erfreulich und damit ein Argument für höhere Kursziele sein? Zwei Argumente ließen sich da anführen: Zum einen, dass der Umsatz im vierten Quartal „nur“ um drei Prozent unter dem des Vorjahres lag. Zum anderen, dass die durchschnittliche Gewinnerwartung der Analysten trotz des deutlichen Minus übertroffen wurde. Da hatte man im Schmitt mit einem Nettogewinn von 4,09 Milliarden Euro gerechnet, es wurden am Ende 4,7 Milliarden. Nur: Ein Minus von 34 Prozent war das eben dennoch. Und es ist sehr fraglich, ob die Aktie mit einem „besser als befürchtet“ noch allzu viel Luft nach oben hätte.

Durch das schwache Jahr 2020 wurde eine vierjährige Serie deutlich steigender Gewinne abrupt unterbrochen, LVMH wurde auf das Gewinnlevel des Jahres 2017 zurückgeworfen. Doch Ende 2017 notierte die Aktie bei 250 Euro, war also nur halb so teuer wie heute. Dadurch errechnet sich derzeit ein atemberaubendes Kurs/Gewinn-Verhältnis von um die 50. Ende 2019 lag dieses Kurs/Gewinn-Verhältnis bei ohnehin schon ungewöhnlich hohen 28, in den Jahren zuvor lag es immer unter 25.

Diese extrem teure Bewertung wäre gerechtfertigt, wenn man unterstellen könnte, dass LVMH 2021 nicht nur an die bisherigen Rekordgewinne des Jahres 2019 heranreichen, sondern sie überbieten würde. Nur sieht das Konsumumfeld zu Jahresbeginn nicht gerade rosig aus. Und das ist vielen Marktteilnehmern offenbar klar, die als Reaktion auf diese Situation die Reißleine zogen. Angesichts dieser Daten und Fakten ist LVMH aktuell kein Buy, eine weitere Beobachtung lohnt sich auf alle Fälle. Insbesondere die asiatische Kundschaft ist wieder in Shopping-Laune und LVMH-Produkte stehen in Asien hoch im Kurs.

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