Die Corona-Pandemie setzt den ohnehin schon gebeutelten Innenstädten stark zu. Jeder vierte Deutsche shoppt inzwischen deutlich mehr online als vor der Pandemie. Bereits vor der Pandemie ging es dem stationären Einzelhandel alles andere als prächtig und nun wirkt die Pandemie als Beschleuniger des Ladensterbens in deutschen Innenstädten.

Einst waren die deutschen Innenstädte florierende Zentren des Einzelhandels. Schaut man sich inzwischen in den Innenstädten um, sieht es zunehmend anders aus. Immer mehr Geschäfte – auch in 1A-Lagen – sind verbarrikadiert und stehen leer. Viele Einzelhändler konnten schon vor Corona die exorbitanten Mieten kaum mehr stemmen. Ohne hohe Kundenfrequenz und dementsprechende Umsätze hält das kein Händler auf Dauer durch. Zwei Gründe hierfür können als ausschlaggebend genannt werden: Der steigende Marktanteil des Onlinehandels und die Corona-Pandemie, die vielen Händlern endgültig das Genick bricht.

Eine Umfrage des Marketingunternehmens Bonial unter 5.000 Shoppern hat ergeben, dass die Pandemie zwar nicht Auslöser des Ladensterbens sei, aber wie eine Art Beschleuniger wirke. 40% der Befragten gaben an, dass sie aufgrund der Maskenpflicht weniger in den Innenstädten einkaufen gehen. 23% der Befragten erklärten zudem, die Angst vor dem Virus würde sie vom Einkauf im stationären, innerstädtischen Handel abhalten.

25% der Befragten bestellen seit Beginn der Pandemie häufiger und mehr online als zuvor. Allerdings haben genauso viele der Befragten auch bereits vor der Pandemie online geshoppt. Insbesondere in den Segmenten Unterhaltungselektronik und Kleidung lässt sich eine deutliche Verschiebung hin zum Onlineshopping erkennen. Lediglich der Lebensmitteleinzelhandel behauptet sich krisenfest gegen den eCommerce. In die Supermärkte gehen die Verbraucher momentan noch persönlich. Ist doch der Gang zu Real, Edeka, Lidl & Co. auch eine angenehme Abwechslung zwischen Home Office und Lockdown.

Gleichzeitig gaben 44% der Befragten an, sie würden nun häufiger lokal vor Ort einkaufen, um die ortsansässigen Geschäfte zu unterstützen. Dazu passt auch die Aussage, dass es insgesamt 89% der Befragten wichtig sei, lebendige Innenstädte zu haben. Somit besteht immer noch der Wunsch, im stationären Handel einkaufen zu können. Bonial führt dazu weiter aus: „Unsere Umfrage zeigt, dass großer Handlungsbedarf zur Rettung der Innenstädte besteht. Lokal einkaufen bleibt weiterhin ein Erlebnis, von dem sich die wenigsten trennen möchten.“

Bei der Bewertung der Umfrage darf aber auch das Phänomen der sozialen Akzeptanz nicht außer Acht gelassen werden. Teilnehmer an Umfragen geben oft Antworten, bei denen sie annehmen, damit eine höhere soziale Akzeptanz zu erfahren – dieser Umstand kann allerdings das Ergebnis einer Umfrage verzerren. Onlineshopping wird in der Gesellschaft oftmals als schlecht für die Umwelt und die Beschäftigten im stationären Einzelhandel angesehen, so dass es durchaus möglich ist, dass die Befragten nicht zugeben wollten, selbst viel mehr online zu bestellen als zuvor.

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