Riestern soll der Bürger, so tönte es lange Jahre aus Politik und Versicherungswirtschaft. Doch neben dem Riester-Sparen, das am Ende betrachtet, gar nicht so sexy ist, wie von der Politik behauptet, fördert der Staat auch eine weitere Form der privaten Altersvorsorge – die Basisrente, auch Rürup-Rente genannt. Diese kann sich insbesondere für Freiberufler und Selbständige lohnen, da diese Gruppe keine geförderten Riester-Verträge abschließen kann – es sei denn man ist mit mit einem Anspruchsinhaber auf die Riester-Rente verheiratet oder in der gesetzlichen Versicherung pflichtversichert.

Seit rund 15 Jahren gibt es eine alternative Möglichkeit, eine private Altersvorsorge mit staatlicher Unterstützung aufzubauen – die sogenannte Basis-Rente, auch nach ihrem Erfinder, dem Wirtschaftswissenschaftler Bert Rürup, der seinerzeit die Regierung bei der Rentenreform beriet, Rürup-Rente genannt. Diese richtet sich zwar primär an Freiberufler und Selbständige, steht aber auch Angestellten und Beamten offen, wobei Angestellte im Vorfeld immer prüfen sollten, ob sie von einem geförderten Rieser-Vertrag am Ende mehr haben. Vergleichbar mit dem Rieser-Modell stehen auch Rürup-Sparern verschiedene Fonds- und Versicherungsvarianten zur Verfügung. Allerdings gibt es bei der Rürup-Rente keine direkten staatlichen Zulagen. Der Vorteil wird ausschließlich über die Steuer gewährt. Allerdings werden bei der Rürup-Rente deutlich höhere Beträge steuerlich gefördert. Ledige können pro Jahr bis zu 20.000 Euro, Verheiratete bis zu 40.000 Euro staatlich (steuerlich) gefördert anlegen.

Während der Einzahlphase gibt es bestimmte Regelungen, die man vor Abschluss eines Rürup-Vertrages in Betracht ziehen sollte: Im Jahr der Einführung der Rürup-Rente 2005 konnten Rürup-Sparer 60% ihres Jahresbeitrags als Sonderausgabe beim Finanzamt geltend machen und dadurch ihr zu versteuerndes Einkommen entsprechend mindern. Der Umfang der Steuervergünstigung steigt pro Jahr um 2% an. Somit sind für 2015 beispielsweise 78% der Beiträge steuerlich abzugsfähig. Beginnend mit dem Jahr 2025 werden dann 100% der Beiträge in die Rürup-Rente als Sonderausgaben anerkannt.

Für wen ist die Rürup-Rente besonders attraktiv?

Das Rürup-Modell ist insbesondere für Menschen mit einer hohen oder sehr hohen Steuerlast durchaus attraktiv, denn mit den Beiträgen lässt sich das zu versteuernde Einkommen deutlich reduzieren. Wenig- und Geringverdiener profitieren bei der Rürup-Rente gar nicht bzw. in nur sehr geringem Umfang von dem Rürup-Produkt.

Wie sieht es mit der Rendite bei Rürup-Verträgen aus?

Neben der Performance des abgeschlossenen Produkts hängt die Rendite auch vom Renteneintrittsdatum ab. Hintergrund ist, dass Auszahlungen aus der Basisrente genauso besteuert werden wie gesetzliche Rentenzahlungen. Somit steigt auch für Rürup-Rentner die Steuerlast jedes Jahr an. Wer beispielsweise schon im Jahr 2010 in Rente gegangen ist, hatte 60% seiner Rürup-Rente zu versteuern. Für alle späteren Rentenjahrgänge erhöht sich der zu versteuernde Anteil um 2% pro Jahr, seit 2020 um 1% pro Jahr, bis dann im Jahr 2040 die volle Rürup-Rente der Besteuerung unterliegt. Dennoch kann sich die Rürup-Rente lohnen, da das Einkommen üblicherweise in der Rentenphase niedriger ist als während des Erwerbslebens. Somit ist die Steuerersparnis während des Erwerbslebens (in der Ansparphase) höher als die Steuerlast während der Rentenbezugsdauer.

Rürup-Rente und die Abgeltungssteuer

Einer der Vorteile der Rürup-Rente ist auch die Befreiung von der Abgeltungssteuer. Außerdem wird sie im Falle einer Insolvenz nicht in die Insolvenzmasse einbezogen, da das Guthaben während der Ansparphase nicht pfändbar ist. In der Ansparphase darf auch im Falle einer eingetretenen Bedürftigkeit das Jobcenter oder das Sozialamt nicht auf das Ersparte Zugriff nehmen. Ergänzend kann der Rürup-Vertrag zudem mit einer Hinterbliebenenversorgung oder Berufsunfähigkeitsversicherung kombiniert werden – allerdings zu Lasten der späteren Altersrente.

Versicherung oder Fonds beim Rürup-Vertrag?

Grundsätzlich ist es gesetzlich vorgeschrieben, was als Rürup-Vertrag gilt. Das Produkt muss auf jeden Fall ein Zertifikat des Bundeszentralamts für Steuern tragen. Allerdings sagt dieses Zertifikat überhaupt nichts über die Qualität eines Produktes aus. Die Assekuranzwirtschaft ist bemüht, insbesondere Rentenversicherungen anzubieten, ob als klassische oder fondsgebundene Variante. Der Sparbeitrag bei einer klassischen Versicherung geht meistens in sichere Zinspapiere, zu einem kleineren Teil in Aktien oder Immobilien. Auch bei Rürup gilt: die Höhe der späteren Auszahlungen hängt auch davon ab, welche Kosten anfallen und wie hoch die Überschussbeteiligung ausfällt. Besonderen Risiken unterliegt die fondsgebundene Variante, denn sie ist abhängig von den Schwankungen des Marktes. Der Kunde trägt das uneingeschränkte Risiko. Anders als bei Rieser-Produkten ist bei der Rürup-Rente ein Kapitalerhalt gesetzlich nicht vorgesehen. Inzwischen werden aber auch Produkte angeboten, die eine Beitragsgarantie beinhalten.

Wer auf der sicheren Seite sein will, sollte sich für ein Produkt mit Beitragsgarantie entscheiden. Seit geraumer Zeit gibt es auch mit Rürup kombinierte Fondssparpläne. Allerdings wird dieses Produkt momentan lediglich von den Fondsgesellschaften Deka des Sparkassenverbunds und der Deutsche Bank – Tochter DWS angeboten, wobei beide Anbieter das Geld auf unterschiedliche Weise anlegen.

Was sind die Nachteile der Rürup-Rente?

Bei der Rürup-Rente gibt es keinen Mindestbetrag. Der Sparer kann seinen Beitrag – zumindest theoretisch – selbst bestimmen. Es hängt vom Anbieter ab, ob in einem Jahr mehr und im anderen Jahr weniger angespart werden kann. Einige Anbieter kassieren für Änderungen der Prämienhöhe oder des Zahlungsturnus sogar zusätzliche Gebühren. Aber gerade eine gewisse Flexibilität ist für Freiberufler und Selbständige besonders wichtig, um auf gute, aber auch weniger gute Geschäftsjahre reagieren zu können. Ein weiterer Nachteil der Rürup-Rente ist die Gleichstellung mit der gesetzlichen Rente, so dass in der Auszahlphase kein Kapitalwahlrecht besteht. Auch Teilentnahmen sind nicht möglich. Das angesammelte, angesparte Kapital wird ausschließlich als lebenslange Rente ausbezahlt und zwar frühestens mit der Vollendung des 60ten Lebensjahres. Bei nach 2012 abgeschlossenen Verträgen gilt sogar die Altersgrenze von 62 Jahren. In der Praxis bedeutet das, das Geld kann weder früher ausbezahlt, noch verpfändet, beliehen oder veräußert werden. Es kann nur für die Rente als lebenslange Zahlung verwendet werden.

Ein weiterer Nachteil ist die fehlende Vererbbarkeit der Rürup-Rente. Stirbt der Bezugsberechtigte, erhalten die Angehörigen üblicherweise nichts aus der Rürup-Rente, es sei denn es wurde explizit eine Hinterbliebenenversorgung mitversichert. In einem solchen Fall wandeln die Anbieter das Geld entweder in eine lebenslange Witwenrente oder in eine – bis zum Höchstalter von 25 Jahren des Kindes – in eine Waisenrente um.

Auch ein wichtiger Punkt, den es zu berücksichtigen gilt: Normalerweise binden sich Kunden lebenslang an Police und Versicherer. Im Gegensatz zur Riester-Rente können Rürup-Verträge nicht aufgelöst werden und ein Wechsel des Anbieters ist meistens ausgeschlossen. Es besteht zwar grundsätzlich die Möglichkeit der Beitragsfreistellung, die aber zu Lasten der späteren Rente geht. Außerdem kann es passieren, dass der Hinterbliebenenschutz oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung auf der Strecke bleiben.

VALOMONEY Fazit

Dass die Rürup-Rente soviele Nachteile hat, liegt einerseits beim Gesetzgeber, aber auch bei den Anbietern. Für die Anbieter ist das Rürup-Business ein stornofreies Geschäft, in dem der Wettbewerbsdruck fehlt, um Produkte weiterzuentwickeln. Ungeachtet der Nachteile ist die Rürup-Rente für Selbständige und Freiberufler attraktiv, die einen vergleichsweise hohen Steuersatz bezahlen und im Ruhestand wegen geringerer Einkünfte mit einem niedrigeren Steuersatz rechnen können. Insofern eignet sich Rürup auch für angestellte Gut- und Besserverdiener, die kurz vor Rentenbeginn noch größere Summen in die private Altersvorsorge investieren möchten.

Der Trick: Die Einzahlungen können zum größeren Teil steuerfrei sein als später jener Anteil der steuerpflichtigen Rente. Umgekehrt kann sich daher die Rürup-Rente für jüngere Menschen nicht rechnen. Denn wer jetzt einen Vertrag abschließt und beispielsweise erst 2045 in Rente geht, kann einen nicht unerheblichen Anteil seiner Beiträge nicht als Sonderausgabe absetzen. In einem solchen Fall würde der Beitragszahler seine Rente aus bereits versteuertem Einkommen bestreiten und in der Auszahlphase darauf erneut Steuern bezahlen müssen.

THEMEN: Altersvorsorge, Rürup-Rente, Rieser-Rente, Versicherungswirtschaft, Personenversicherung