Familienstiftung – ein Modell nicht nur für Superreiche

Von Stiftungen hört man im Wesentlichen aus dem karitativen, gemeinnützigen Umfeld. Einer breiten Öffentlichkeit ist sicherlich die Stiftung Deutsche Schlaganfall Hilfe bekannt, die 1993 von Liz Mohn, der Ehefrau des 2009 verstorbenen Bertelsmann-Eigentümers Reinhard Mohn, gegründet wurde. Autofahrern dürfte auch die Björn-Steiger-Stiftung bekannt sein, auf deren Initiative die Notrufsäulen auf den Autobahnen eingeführt wurden. Die Stiftung wurde von den Eltern von Björn Steiger errichtet, der 1969 aufgrund fehlender, zeitnaher Hilfe durch einen tragischen Autounfall zu Tode kam. Stiftungen können aber auch rein private, eigennützige Zwecke verfolgen. Die bekannteste Form dieser Art von Stiftung ist die Familienstiftung.

Eine Familienstiftung ist im Wesentlichen dazu bestimmt, den Interessen einer, aber auch mehrerer Familien, zu dienen. Es handelt sich also um Stiftungen, deren Begünstigte (juristisch Destinäre genannt) in einer familiären Nähe zum Stifter stehen. Unternehmer und vermögende Privatpersonen schätzen vor allem die steuerlichen Vorteile und die Flexibilität einer Familienstiftung, denn durch diese Stiftungsform lassen sich individuelle Vermögensnachfolgelösungen kreieren und zudem das Vermögen wirksam vor dem Zugriff Dritter schützen.

Die Gründung einer Stiftung, die unbedingt von juristischen und steuerrechtlichen Experten begleitet werden muss, ist meist Teil einer umfassenden Nachfolgeplanung. Vermögensnachfolgen lassen sich ideal durch die Gründung einer Stiftung umsetzen – sowohl im Rahmen der privaten Vermögensnachfolge als auch im Unternehmensbereich. Zur Steuerung der Unternehmensnachfolge dienen Familienstiftungen dazu, das Unternehmen oder die Unternehmen des Stifters in seinem Sinne fortzuführen oder die Anteile am Unternehmen „zusammenzuhalten“. In einer solchen Konstellation spricht man von einer Unternehmensstiftung. Gleichzeitig sind die begünstigten Familienangehörigen des Unternehmers bzw. Stifters versorgt – beispielsweise durch regelmäßige Ausschüttungen. Dadurch bleibt sowohl das Unternehmen auch über den Tod des Stifters hinaus erhalten als auch die Familienangehörigen (die Destinäre) finanziell abgesichert.

Aber auch die private Vermögensnachfolge auf nächste Generationen, also die Übergabe von Vermögenswerten, die keinen Bezug zu einem Unternehmen haben (beispielsweise Kunstwerke, wertvoller Familienschmuck, Wertpapierdepots oder Immobilienvermögen) lässt sich durch die Gründung einer Familienstiftung realisieren. Der Vorteil in dieser Konstellation besteht in der Gewähr, dass das Vermögen nicht zersplittert, sondern langfristig als eine Einheit in der Stiftung erhalten bleibt. Darüberhinaus können sich Steuervorteile ergeben.

Ideal geeignet sind Familienstiftungen für Immobilieneigentümer. Dies gilt im besonderen für Immobilien, die der Steuerpflichtige nach Ablauf der 10jährigen Haltefrist steuerfrei verkaufen kann. In einem solchen Fall ist es möglich, das Immobilienvermögen steuerfrei an eine Familienstiftung zu veräußern. Auf der Seite des Stifters steigert diese Transaktion seine Liquidität und die Stiftung wiederum kann von höheren Abschreibungen profitieren und zahlt auch nur knapp 16% Körperschaftssteuer auf die vereinnahmten Mieten. Beim Stifter wären die Mieteinkünfte weiterhin mit dem individuellen Einkommensteuersatz – erwartungsgemäß mit dem Spitzensteuersatz – zu versteuern. Im Eigentum von Familienstiftungen stehende Immobilien können nach 10 Jahren wieder steuerfrei verkauft werden. Auch eine Veräußerung vor Ablauf der 10jährigen Haltefrist löst lediglich die Körperschaftssteuerpflicht (knapp 16%) aus.

Vermögensschutz durch eine Familienstiftung

Das Vehikel der Familienstiftung kennt weder Eigentümer noch Gesellschafter. In beispielsweise Wertpapierdepots kann ein Gläubiger des Schuldners vollstrecken, während der Stifter keine Anteile an seiner Stiftung besitzt. Kein Dritter kann in das Stiftungsvermögen vollstrecken, so dass das Vermögen der Stiftung exzellent vor dem Zugriff Dritter geschützt ist. Einzige Voraussetzung: Die Übertragung muss frühzeitig stattgefunden haben, um Anfechtungsfristen einzuhalten (4-10 Jahre). Insbesondere für Unternehmer, die gewissen wirtschaftlichen Risiken ausgesetzt sind und befürchten müssen, zu irgendeinem Zeitpunkt mit ihrem Privatvermögen zu haften, bietet eine Stiftungslösung bestmöglichen Vermögensschutz.

Steuerliche Betrachtung der Stiftungsgründung

Die Übertragung von Vermögenswerten in eine Familienstiftung unterliegt der Steuerpflicht. Es fallen Erbschaftsteuern bzw. Schenkungssteuern an. Allerdings kann der Stifter von zahlreichen steuerlichen „Bonbons“ (z. B. Freibeträgen) profitieren. Voraussetzung hierfür ist aber eine sehr sorgfältige Gestaltung des Vertragswerkes, das unbedingt in professionelle Hände gehört. Für sehr große Vermögen, welche die Freibeträge deutlich übersteigen, muss betriebliches Vermögen identifiziert werden. Denn betriebliches Vermögen kann unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei auf eine Stiftung übertragen werden, wenn es sich um sogenanntes „begünstigtes Vermögen“ handelt. In bestimmten Situationen kann es auch durchaus sinnvoll sein, mehrere Stiftungen zu errichten, um den im Gesetz vorgegebenen Betrag von 26 Mio. Euro mehrfach nutzen zu können.

Laufende Stiftungsbesteuerung

Wie andere Körperschaften unterliegen auch Familienstiftungen der laufenden Körperschaftsbesteuerung. Gewerbesteuer fällt hingegen nur dann an, wenn die Stiftung auch gewerblich tätig sein sollte. Da eine Familienstiftung üblicherweise nur vermögensverwaltend tätig ist, bleibt es bei einer Besteuerung von knapp 16% Körperschaftsteuer. Vergleicht man diesen Steuersatz mit anderen Rechtsformen wird man schnell feststellen, dass die Steuerbelastung in einer Stiftung durchaus Charme hat. Lediglich alle 30 Jahre kommt noch die sogenannte Erbersatzsteuer ins Spiel. Diese besteuert einen fiktiven Erbfall in Bezug auf das Stiftungsvermögen. Mit guter steuerlicher Beratung und entsprechender Gestaltung lässt sich aber die Belastung in Grenzen halten.

Interesse an der Errichtung einer Familienstiftung

Wie bereits eingangs erwähnt, ist das A und O für eine dauerhaft sichere und steuerlich optimierte Gestaltung die professionelle Beratung und Unterstützung bei der Planung, Umsetzung und Errichtung einer Stiftung. Wenden Sie sich auf jeden Fall an einen ausgewiesenen Experten aus den rechts- und steuerberatenden Berufe.

THEMEN: Steuern, Unternehmensnachfolge