Größere Wünsche und Anschaffungen oder Investitionen wie Autos oder Immobilien werden in Deutschland größtenteils finanziert – also auf Kredit angeschafft. Genau dann kommt die Schufa (=die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) ins Spiel. Banken und Finanzierungspartner greifen auf die Daten der Schufa zurück, um die Ausfallwahrscheinlichkeit eines beabsichtigten Kreditengagements zu bewerten. Somit ist die Schufa maßgeblich, in manchen Fällen ausschließlich, die Instanz für die Genehmigung einer Kreditanfrage. Eine Ausnahme hiervon sind Kreditinstitute, die Kredite ohne Beteiligung der Schufa vergeben.

Was macht eigentlich die Schufa genau?

Die Schufa ist Deutschlands größte Wirtschaftsauskunftei und verfügt nach eigenen Angaben über knapp 67 Millionen Datensätze mit geschätzt einer Milliarde Einzeldaten von natürlichen Personen und rund 6 Millionen Unternehmensdatensätzen. Die Schufa-Datensätze werden tagtäglich etwa 460.000 mal von Banken, Leasingunternehmen oder Mobilfunkanbietern abgerufen, um die Kreditwürdigkeit potentieller Kunden zu bewerten. Im Rahmen ihrer Tätigkeit speichert die SCHUFA die von den Partnern gelieferten Daten aus Finanz-, Handels- und Telekommunikationsgeschäften mit Verbrauchern. Hinzu kommen die aus öffentlichen Verzeichnissen gesammelten Daten (z. B. Schuldnerverzeichnis).

„Blackbox“ Schufa Scores

Die meisten Kreditentscheidungen werden – im ohnehin automatisierten Verfahren – anhand des Schufa Score bewilligt oder abgelehnt. Wie dieser Score entsteht und berechnet wird, das behält die Schufa für sich. In etlichen Gerichtsverfahren wollten bereits Verbraucher erzwingen, dass die Schufa die „Scoreformel“ transparent macht. Keine Chance für den Verbraucher urteilte der Bundesgerichtshof (BGH) und wies damit die Klage einer Frau aus Hessen ab. Aufgrund einer Bewertung der Schufa wurde ihr der Kauf eines Autos verwehrt. Daraufhin wollte sie wissen, wie die Wirtschaftsauskunftei ihre Daten verwertet hatte. Sie war der Meinung, die ihr erteilte Auskunft genüge nicht den gesetzlichen Anforderungen. Doch wie schon in den Vorinstanzen blieb sie auch vor dem BGH erfolglos (Urt. v. 28.01.2014 Az. VI ZR 156/13). Die von ihr verlangten Angaben seien nicht Teil des Scoringverfahrens, über das die Schufa nach § 34 Abs. 4 S. 1 Nr. 4 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) Auskunft erteilen müsse, so die Richter in ihrer Urteilsbegründung. Der Gesetzgeber habe diese Norm mit der Intention erlassen, Geschäftsgeheimnisse zu schützen. Mit der Scoreformel errechnet die Schufa einen Wahrscheinlichkeitswert über das künftige Verhalten von Personengruppen. Diese Formel verdiene Schutz, so der BGH. Somit wird die Schufaformel als Geschäftsgeheimnis der Schufa klassifiziert.

Vermutlich sind zum Beispiel folgende Aspekte Berechnungsgrundlagen für Ihren SCHUFA-Score:

  • Eingetragene Negativ-Merkmale
  • Wohnsitzwechsel
  • Alter
  • Viele Kreditanfragen
  • Kontoverbindungen
  • Kreditaufnahmen wie häufige Kleinkredite bei Versandhäusern

Ob die Adresse des Verbrauchers – Brennpunktviertel oder Villengegend – eine Rolle spielt, ist unklar. Schon 2009 hat der Bundestag strenge Regeln zum Thema Scoring festgelegt. Demnach ist das sogenannte „Geoscoring“, bei dem die Kreditwürdigkeit ausschließlich anhand des Wohnortes eingeschätzt wird, verboten und wird mit hohen Bußgeldern bestraft. Diese Regelung hat sich auch mit der Inkraftsetzung der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) im Mai 2018 nicht geändert. Neu ist der Nachsatz, dass die betreffende Person im Falle der Nutzung von Adressdaten vor der Berechnung eines Wahrscheinlichkeitswertes schriftlich über diesen Vorgang informiert werden muss.

Wie ist der Schufa-Score aufgebaut?

Es gibt mehr als einen Schufa Score. Konkret gibt es einen Schufa Basisscore sowie Schufa Branchenscores. Der Schufa Basisscore wird als Prozentsatz von 100 % berechnet. Die Berechnung erfolgt quartalsweise. Beim Basisscore wird ein Wert gemessen zwischen 0 Prozent (schlechtester Wert) und 100 Prozent (bester Wert). Dieser Wert trifft eine Aussage über das durchschnittliche Risiko aller Personen mit gleichem Datenprofil. Er gibt die Wahrscheinlichkeit an, mit der es bei Kunden des gleichen Profils zu Problemen kommen kann.

Quelle: schufa.de

Kann ich meinen Score optimieren?

Eingeschränkt ist das möglich. Manche Faktoren, zum Beispiel das Alter oder der Wohnort, sind eben so wie sie sind. Wieviele Konten man unterhält oder Kredite aufgenommen hat – vorausgesetzt sie werden pünktlich getilgt – ist Jedem selbst überlassen. Wichtig ist, dass man seine Finanzen im Griff hat und vorhandene Kredite vertragsgemäß bedient.

Wichtig bei Kreditanfragen ist, dass die Bank die Abfrage explizit als sog. Konditionenanfrage stellt. Der Vorteil einer Konditionenanfrage im Gegensatz zur Kreditanfrage ist der Umstand, dass die Konditionenanfrage nicht gespeichert wird. Eine Kreditanfrage bleibt für 10 Tage abrufbar und andere Banken könnten sich beim Zinsangebot darauf einstellen. Die Kreditkonditionen könnten schlechter ausfallen, zumal mehrere Kreditanfragen hintereinander so interpretiert werden könnten, dass Darlehen abgelehnt wurden. Insofern könnte mittelbar eine Verschlechterung der Bonität eintreten, ohne dass Kreditanfragen Einfluss auf Branchenscores haben müssen.

THEMEN: Verbraucher, Kreditwirtschaft