Laxe Gesetze ziehen dubiose Zeitgenossen an. In der Welt des Offshore-Banking schien dies besonders häufig vorzukommen. Offshore-Banken agieren meist im Verborgenen und selten findet man Werbung über deren diskrete Dienstleistungen in den Hochglanzwirtschaftsmagazinen. Kleinere, aber auch größere Skandale, hat es in der Vergangenheit immer wieder gegeben mit einer für den Kunden unangenehmen Gemeinsamkeit: das Geld war meistens futsch – entweder zu großen Teilen oder in Gänze! Wenn man Glück hatte! Kam es richtig dick, konnte es passieren, dass man zudem noch Ärger mit dem Finanzamt bekam, wenn Reste vom unversteuerten Notgroschen über offizielle Kanäle aus der Insolvenzmasse in Deutschland anlandeten.

Die „Blacklists“ der FATF (Financial Action Task Force) und der EU sorgten in den letzten Jahren für eine ordentliche Marktbereinigung. All denjenigen Offshore-Finanzplätzen, die sich nicht an Steuerdatenaustausch – Programmen beteiligten oder anonyme, intransparente Firmenkonstruktionen weiterhin ermöglichten, wurde der Zugang zum wichtigen amerikanischen und europäischen Banksystem entweder erschwert oder unmöglich gemacht. Die meisten Jurisdiktionen haben in Folge ihre nationalen Gesetze angepasst, um von den Blacklists gestrichen zu werden und um nicht mehr als „unkooperatives“ Land zu gelten. So findet sich per Stand Oktober 2020 nur noch der Iran auf der Blacklist. Auf der „grey list“ sind per Stand März 2021 noch 15 Länder aufgeführt, welche die neuen Anforderungen noch nicht vollständig umgesetzt haben.

In dieser Reportage berichten wir über einige spektakuläre Niedergänge von Offshore-Banken. Das klassische Offshore Banking mit dubiosen Geldboten, die kofferweise Bargeld auf irgendeine karibische Insel schaffen, scheint seinen Zenith überschritten zu haben und ist akut vom Aussterben bedroht. Ob das gut oder schlecht ist? Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung.

FIRST BANK OF THE MIDDLE EAST LIMITED

Größere Öffentlichkeit erhielt die Schließung der auf Zypern domizilierten FBME (First Bank of the Middle East) im Jahr 2014, die hauptsächlich als „Geldwaschmaschine“ für russische Oligarchen und afrikanische Despoten die Bank der ersten Wahl war. Eigentlich hatten die Eigentümer eine Banklizenz der Cayman Islands erhalten, empfanden aber dort den regulatorischen Druck zu hoch. Ordentliche Buchführung und die Einhaltung von Geldwäschegesetzen ist halt nicht jedermanns Sache. Kurzerhand verlegte man den Sitz nach Tansania und eröffnete eine Tochtergesellschaft auf Zypern. 2014 erhob die FinCEN (us-amerikanische Financial Crimes Enforcement Network) den Vorwurf, die FBME würde aktiv Geldwäsche für kriminelle Organisationen sowie die libanesische Hisbollah unterstützen. Erwartungsgemäß wurde sodann begonnen, die Bank vollständig abzuwickeln. Der Vollständigkeit halber muss erwähnt werden, dass die Eigentümer, der libanesische Banker Ayoub-Farid Michel Saab und seine Familie bis heute vor unterschiedlichsten Gerichten um den guten Ruf der Bank kämpfen. Reputation ist halt auch nur eine Frage der Perspektive…..

Ayoub-Farid Michel Saab (Eigentümer der FBME)