Dass die Berufsunfähigkeitsversicherung – neben der privaten Haftpflichtversicherung – zu den wichtigsten Versicherungen überhaupt zählt, ist hinlänglich bekannt. Doch leider kommt es immer wieder vor, dass Interessierte von den Versicherungsunternehmen abgelehnt werden. Ablehnungsgründe gibt es auf Seiten der Assekuranzunternehmen genug. Einige Versicherer lehnen bestimmte Berufsgruppen generell ab (sog. Risikogruppen, zu denen Krankenschwestern, Handwerker und Sprengmeister gehören), während bei anderen die Krankengeschichte eine gewichtige Rolle spielt. Auch ist es für Künstler sehr schwierig, eine Versicherung zu finden, die das Berufsunfähigkeitsrisiko versichern möchte. Auch kann es sogar für gesunde Menschen schwierig werden, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, wenn sie besonders gefährliche Hobbies haben.

Ist man erstmal von einer Versicherung abgelehnt worden, wird es schwierig bis unmöglich bei einer anderen Versicherung die begehrte Police zu erhalten. Grund hierfür ist das HIS (das Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft), in dem sich Versicherer untereinander auszutauschen und Daten teilen. Gehört man einer Risikoberufsgruppe an oder liegen bereits physische oder psychische Vorerkrankungen vor, macht es Sinn, über einen spezialisierten Versicherungsmakler eine anonyme Risikovoranfrage zu stellen. Damit kann man vermeiden, dass die personenbezogenen Daten gespeichert werden und man erhält dennoch die gewünschten Informationen, ob beispielsweise das angefragte Versicherungsunternehmen überhaupt bereit ist, den Betreffenden zu versichern.

Führt auch das nicht zum Ziel bzw. zur gewünschten Absicherung, macht es Sinn, nach Alternativen Ausschau zu halten. An dieser Stelle kommt die sogenannte „Dread-Disease-Versicherung“ ins Spiel. Was diese Versicherung leistet, was sie kostet und für wen sie geeignet ist, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Was ist eine Dread-Disease-Versicherung?

Die Dread-Disease-Versicherung (aus dem Englischen: dread disease = furchtbare Krankheit, schlimme Leiden) ist eine Personenversicherung, die zusätzlich zu dem einer Versicherung auf den Todesfall zugrunde liegenden Hauptrisiko, das Eintreten einer schweren Erkrankung als Nebenrisiko absichert. Die Dread-Disease-Versicherung hat ihren Ursprung im angelsächsischen Raum, in dem die uns bekannte Berufsunfähigkeitsversicherung nahezu unbekannt ist und soll die finanziellen Folgen beispielsweise eines Herzinfarktes, Schlaganfalls oder Krebs absichern.

Wie ist eine Dread-Disease-Versicherung strukturiert und wann leistet sie?

Jede Dread-Disease-Police umfasst eine exakt definierte Liste von Krankheiten, bei denen die Versicherung bei Eintritt der Krankheit die im Vertrag vereinbarte Geldzahlung leistet. Für die Leistung der Versicherungssumme zählt nur das Eintreten des Krankheitsereignisses. Ob daraus eine Berufsunfähigkeit resultiert, spielt keine Rolle. Zu den üblicherweise versicherbaren Krankheiten und Krankheitsbildern gehören Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs, Multiple Sklerose, Erkrankungen des Nervensystems und der Verlust elementarer, lebenswichtiger Körperfunktionen wie Hören oder Sehen. Einige Anbieter leisten auch bei einem bestimmten Grad der Pflegebedürftigkeit oder bei Unfallfolgen. In einer solchen Konstellation überschneidet sich die Dread-Disease-Versicherung mit den Leistungen einer Unfall- und/oder Pflegeversicherung. Einen guten und bezahlbaren Tarif erkennen Sie nicht an der Anzahl der versicherten Krankheiten, sondern an der jeweiligen Krankheitsdefinition. Die Versicherung leistet nämlich nur dann, wenn der Arzt genau die in den Vertragsbedingungen definierte Diagnose stellt. Außerdem muss die Erkrankung bereits einen bestimmten Schweregrad erreicht haben, bevor die Versicherung leistungspflichtig wird.

Jeder Versicherer unterscheidet, welche Krankheiten er versichert und welche nicht. Es ist daher vor Abschluss einer Dread-Disease-Versicherung zwingend erforderlich, sich mit den verschiedenen Krankheitsdefinitionen zu beschäftigen, um zu wissen, gegen welche Erkrankung Versicherungsschutz besteht. Wir empfehlen in diesem Zusammenhang stets die Beratung durch einen spezialisierten Makler oder Honorarberater.

Für wen macht die Versicherung überhaupt Sinn?

Zur Absicherung der eigenen Arbeitskraft ist die Dread-Disease-Versicherung nicht die beste Lösung. Dafür ist die Berufsunfähigkeitsversicherung oder die Erwerbsunfähigkeitsversicherung gedacht, weil in diesen Produkten alle gesundheitlichen Ursachen, einschließlich psychischer Erkrankungen, abgesichert ist. Es gibt aber durchaus die weiter oben beschriebenenen Konstellationen, in denen man nicht versicherbar ist, so dass man im Rahmen des Abschlusses einer Dread-Disease-Versicherung wenigstens gegen schwere Krankheiten finanziell geschützt ist.

Menschen mit Vorerkrankungen haben leichteren Zugang zur Dread-Disease Versicherung, da nur eine begrenzte Anzahl an Krankheiten versichert ist. Allerdings sind weniger als 50% der Ursachen, die üblicherweise für eine Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit verantwortlich sind, über die Dread-Disease-Versicherung abdeckt. Beispielsweise erfolgt keine Leistung bei psychischen Erkrankungen oder chronischen Leiden im Rückenbereich.

WICHTIG

Im Gegensatz zur herkömmlichen BU-Versicherung leistet die Dread-Disease-Versicherung auch nicht monatlich, sondern den vereinbarten Betrag in einer Zahlung, wenn die Krankheitsvoraussetzungen vorliegen und festgestellt sind. Dies kann sowohl Vorteil als auch Nachteil sein.

Was kostet eine Dread-Disease-Versicherung?

Ein weiterer Nachteil der Dread-Disease-Versicherung, denn sie ist im Verhältnis zu den Leistungen einer BU-Versicherung relativ teuer. Bitte beachten Sie, dass denn sie einen klassischen BU-Vertrag ersetzen soll, sie die Höhe der Versicherungssumme so gestalten, dass die Zahlung den Einkommensausfall für einen möglichst langen Zeitraum kompensiert. Dies erhöht allerdings wieder den monatlichen Beitrag.

Die exakte Höhe des Beitrags ist abhängig vom Alter und Gesundheitszustand des Versicherten. Eine genaue Gesundheitsprüfung – bei hohen Versicherungssummen mit persönlicher Untersuchung durch einen vom Versicherer ausgewählten Arztes – ist bei fast allen Versicherern Standard. Ein gesundheitlich nicht vorbelasteter 35jähriger Mann mit kaufmännischer Tätigkeit und einer Versicherungssumme von 300.000 Euro bezahlt je nach Anbieter zwischen 135 und 225 Euro im Monat.

Auf was ist beim Abschluss zu achten?

Wie bei allen Versicherungen gilt es besondere Konstellationen oder Vorgaben zu kennen. Achten Sie auf etwaige Wartezeiten. Krankheiten können z. B. erst nach Ablauf einer Wartefrist von 3, 6 oder 9 Monaten versichert sein. Auch haben manche Assekuranzen Karenzzeiten in ihren Verträgen. Sollte eine bestimmte, versicherte Krankheit eintreten, muss man zwischen 14 und 28 Tagen warten, bis die Leistung ausbezahlt wird. Bei manchen Krankheiten, z. B. bei Schlaganfall oder Herzinfarkt, sind die Karenzzeiten noch länger, da erst nach Ablauf einer gewissen Zeit die Schwere der zukünftigen Beeinträchtigung festgestellt werden kann.

Auch bei der Angabe der Beiträge sollte man auspassen. Manche Versicherer weisen sog. Netto- und Bruttobeiträge aus. Dabei ist der Nettobetrag die Prämie zu Beginn der Vertragslaufzeit. Passt innerhalb der Versicherung die Risikokalkulation nicht oder werden Überschussbeteiligungen nicht in geplanter Höhe erwirtschaftet, kann der Versicherer die monatlichen Beiträge bis zum Betrag des Bruttobeitrags möglich.

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