DSW entwickelt IPO-Checkliste für Privatanleger

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz rechnet für 2021 – auch in Deutschland – mit einigen IPO (Initial Public Offerings), da das Geld und Interesse an neuen Börsengängen durchaus vorhanden sei. „Bei dem aktuell positiven Marktumfeld dürfte sich die Zahl der Börsengänge in den kommenden Monaten weiter erhöhen. Aber Achtung: Es ist damit zu rechnen, dass nicht alle Unternehmen als Investment für Privatanleger geeignet sind“, so Jella Benner-Heinacher, stellv. Hauptgeschäftsführerin der DSW.

Um etwas mehr Transparenz in den Markt zu bringen, hat die DSW einen Anforderungskatalog für Börsenneulinge bzw. Börsenkandidaten erarbeitet. „Tatsache ist, dass nicht alle Privatanleger die meist etliche hundert Seiten dicken Börsenprospekte lesen. Hier wollen wir Hilfestellung geben. Wobei es uns nicht im Investitionsempfehlungen geht, sondern um eine möglichst breite Informationsbasis“, sagt Benner-Heinacher.

Die Spanne der Anforderungen an die Emittenten reicht dabei von der Verwendung des durch den Börsengang eingeworbenen Kapitals bis zu den Lock-Up-Vereinbarungen mit Altaktionären. „Bei der Mittelverwendung gibt es keine pauschale Lösung. Grundsätzlich gilt allerdings: Je mehr Geld im Unternehmen bleibt, desto besser“, erklärt die Anlageschützerin. Die Höhe des Emissionspreises sollte nach der Vorstellung der DSW in einem angemessenen Verhältnis zum Marktumfeld des IPO-Kandidaten sowie seiner Wettbewerber stehen und in die allgemeine Börsensituation passen. Zudem sei eine Notierung im Prime Standard, die mit deutlich erhöhten Transparenzanforderungen verbunden ist, der im weniger transparenten General Standard vorzuziehen.

Bei der Beurteilung der Unternehmenszahlen hängt laut DSW viel davon ab, ob sich das Unternehmen als Dividenden- oder Wachstumswert definiert. „Hier gehört etwa Vantage Towers eindeutig in die Liga der Dividendenwerte“, sagt Benner-Heinacher. Dieser Aspekt spiele bei der Beurteilung der Ergebnissituation für die letzten Jahre eine nicht zu unterschätzende Rolle. „Bei einem vor allem auf Wachstum ausgerichteten Geschäftsmodell ist – zumindest mittelfristig – der Vergleich mit den Wettbewerbern und die daraus resultierende Marktposition wichtiger als das Ergebnis. Bei Dividendenwerten sähe das völlig anders aus“, stellt Benner-Heinacher klar.

Neben dem Thema Geld gelte es, auch die handelnden Personen genauer zu betrachten. „Für die Anleger ist es interessant, ob etwa Großaktionäre, eventuell sogar Gründer, ganz aus der Gesellschaft aussteigen wollen oder weiter die Mehrheit am Grundkapital halten“, führt die DSW weiter aus. Seitens der DSW wird eine Haltefrist von 12 Monaten bei Altaktionären und von mindestens 24 Monaten für Management und Family & Friends – Programme befürwortet.

Die Qualität der Führungsebene, die maßgeblich für den Erfolg der Gesellschaft verantwortlich zeichnet, sollte besonders kritisch unter die Lupe genommen werden. „Speziell der Fall Wirecard hat gezeigt, dass es entscheidend darauf ankommt, einen erfahrenen Finanzvorstand an Bord zu haben, der das Vertrauen des Kapitalmarktes genießt. Das Kontrollgremium Aufsichtsrat sollte zudem mit unabhängigen Experten aus dem Finanz- und Börsenbereich mit entsprechender Praxiserfahrung besetzt sein“, fasst Benner-Heinacher zusammen.

Der Leitfaden für den Neuaktionär – 10 Regeln für Privatanleger bei Neuemissionen steht auf der Internetseite der DSW zum Download zur Verfügung.

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