Gesetzliche Erbfolge – wem was vom Erbe zusteht

2020 starben in Deutschland etwa 1 Million Menschen. Die Anzahl der Hinterbliebenen ist ein Vielfaches davon. In über 50% deutscher Erbfälle liegt kein Testament vor, so dass das Gesetz die Erbfolge für die Angehörigen regelt. Doch wer erbt eigentlich was?

Das Wichtigste zur gesetzlichen Erbfolge

  • Die gesetzliche Erbfolge gilt immer dann, wenn es kein Testament gibt, ein Testament ungültig ist oder wenn die gesetzliche Erbfolge testamentarisch bestimmt wurde
  • Verwandte des Erblassers ab dem zweiten Grade erben üblicherweise als Erbengemeinschaft
  • Der Erbanteil am Nachlass ist nach Verwandtschaftsgrad geregelt
  • Der Ehe- oder eingetragene Lebenspartner des Erblassers hat eine Sonderstellung
  • Nicht verheiratete oder nicht als Lebensgemeinschaft eingetragene Partner erben nichts – genau wie geschiedene Ehepartner
  • Stiefkinder sind allein gesetzliche Erben ihres leiblichen Elternteils und nicht des Stiefelternteils
  • Die gesetzliche Erbfolge regelt die Höhe des Pflichtteilsanspruchs
  • Ohne Testament, Erbvertrag und gesetzliche Erben oder wenn das Erbe allseits ausgeschlagen wurde, fällt der Nachlass an den Staat

Das deutsche Erbrecht erlaubt jedem, für den Todesfall eine Regelung über sein Vermögen zu treffen. Dies geschieht in Form eines Testaments oder durch einen Erbvertrag. Der Erbvertrag muss immer notariell beurkundet werden, während das Testament beurkundet werden kann. Hat der Verstorbene seinen Nachlass weder durch Testament noch Erbvertrag geregelt, bestimmt §§ 1924 ff. BGB die gesetzliche Erbfolge.

Wer erbt?

„Ehepartner und Kinder zuerst“. Der hinterbliebene Ehepartner wird beim Erbe als Erstes berücksichtigt. Gleich danach folgen die sogenannten Erben erster Ordnung: eheliche und nicht eheliche Kinder des Verstorbenen. Ist der Erblasser nicht verheiratet, erben nur die Kinder. Der Gesetzgeber teilt grundsätzlich alle Angehörigen in eine Rangfolge auf, die festlegt, welches Familienmitglied wann erbt. Im Erbrecht nennt man das Parentalsystem. Ganz vorne in der Erbreihenfolge stehen dabei die Erben erster Ordnung. Gibt es keine Erben erster Ordnung, kommen die Erben zweiter Ordnung zum Zug. Gibt es auch hier keine Erben, haben die Angehörigen der dritten und auch der vierten Ordnung einen Anspruch auf das Erbe.

Die Ordnungen der gesetzlichen Erbfolge

Was steht wem zu? Gesetzlicher Erbanspruch des Ehepartners

Wie viel der Ehepartner erbt, hängt davon ab, welche Verwandten noch leben und welche Einigung die Eheleute in Bezug auf das Vermögen getroffen haben. Wenn es noch lebende Verwandte der ersten Ordnung gibt, bekommt der Ehepartner oder eingetragene Lebenspartner grundsätzlich ein Viertel der Erbschaft. Gibt es nur noch Verwader zweiten Ordnung oder Großeltern, erbt er die Hälfte. Wenn es nur noch Verwandte der dritten Ordnung gibt, die nicht Großeltern sind, erbt der Ehepartner allein. Das gilt auch bei noch lebenden Verwandten in noch weiter entfernter Ordnung. Außerdem spielt der Güterstand der Ehe eine wichtige Rolle. Ohne notariellen Güterstandsvertrag, auch Ehevertrag genannt, gilt der gesetzliche Güterstand. Die Ehepartner leben dann in einer sogenannten Zugewinngemeinschaft.

Zugewinnausgleich als Normalfall

In einer Zugewinngemeinschaft erhält der Ehepartner zusätzlich zum gesetzlichen Erbteil ein Viertel des Erbes als pauschalierten Zugewinnausgleich. Der Rest der Erbschaft geht jeweils an die Verwandten des Erblassers. So kommt ein Ehepartner in einer Zugewinngemeinschaft im Erbfall neben lebenden Verwandten der ersten Ordnung insgesamt auf die Hälfte des Nachlasses, neben Erben der zweiten Ordnung auf drei Viertel des Nachlasses.

Sonderfall Gütertrennung oder Gütergemeinschaft

Bei der Gütertrennung geht nur der Teil des Vermögens in die Erbmasse ein, die dem Verstorbenen gehörte. Ein Zugewinnausgleich am Ende der Ehe bzw. Lebenspartnerschaft findet dann nicht statt. Bei der Gütergemeinschaft gilt das Vermögen der Eheleute als gemeinschaftlicher Besitz – dem hinterbliebenen Ehepartner gehört also schon vor dem Eintritt des Erbfalls die Hälfte. Gesetzlich erhält er neben den Erben der ersten Ordnung zusätzlich den Anspruch auf ein Viertel der Erbmasse, neben Erben zweiter Ordnung sogar die Hälfte.

Gesetzlicher Erbteil Ehegatte