Honorar für Architekten jetzt frei verhandelbar

Zu den unerlässlichen Kosten eines Hausbaus gehört üblicherweise auch die Leistung eines Architekten, für den bis Ende 2020 die Honorarordnung der Architekten und Ingenieure (HOAI) zur Anwendung kam. Durch eine Novellierung der HOAI kann seit Januar 2021 das Architektenhonorar frei zwischen den Vertragspartnern vereinbart werden.

Seit Anfang 2021 gilt eine novellierte Honorarordnung für Architekten. Demnach müssen die Honorare für Architekten nicht mehr in einem festen Rahmen von Mindest- und Höchstsätzen liegen, sondern können nun frei verhandelt werden. Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was ist die HOAI überhaupt?

Ursprünglich sollte die HOAI nur das Leistungsbild eines Ingenieurs oder Architekten abbilden, damit dieser seine Leistungen einfacher abrechnen konnte. Aus der ursprünglichen Idee ist weit mehr entstanden: die Aufteilung in Leistungsphasen und viele weitere Regelungen. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die HOAI die verschiedenen Arbeiten von Architekten und Ingenieuren beschreibt, sie in Leistungsphasen einteilt und deren Berechnung vorgibt.

Das Gesetz zur Regelung von Ingenieur- und Architektenleistungen (ArchLG) regelt die Verbindlichkeit der HOAI. Sie bekommt damit in gewissem Maße Gesetzescharakter, was bedeutet, dass die in ihr festgesetzten Honorare eingeklagt werden können. Die erste Fassung der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure erschien am 1. Januar 1977. Sie löste die beiden veralteten Gebührenordnungen für Architekten (aus dem Jahr 1950) und die für Ingenieure (aus dem Jahr 1956) ab. Die aktuelle Fassung der HOAI ist seit Juli 2013 gültig.

Weshalb wurde die HOAI geändert?

Die HOAI war vor allem aufgrund der klar definierten Mindest- und Höchstsätze in die Kritik geraten. Warum? Gegner sahen in der Begrenzung des Honorars einen Verstoß gegen die EU-Dienstleistungsrichtlinie. Mit seinem Urteil bestätigte der EuGH schließlich diesen Unmut und erkannte die Honorarbeschränkung als rechtswidrig an.

Was hat sich noch geändert?

Änderungen gibt es neben der Festlegung des Honorars auch bei dessen Vereinbarung. Während die HOAI 2019 die Schriftform forderte, verlangt die HOAI 2021 lediglich die “Abgabe einer lesbaren Erklärung”. Somit können die Honorarabsprachen nun auch via E-Mail, SMS oder Bausoftware getroffen werden. Experten sehen in dieser Neuerung einen großen Fortschritt: Sie verhelfe den Beteiligten zu mehr Rechtssicherheit. Auch bei der Fälligkeit und bei Abschlagszahlungen an den Architekten gibt es Neuerungen. Die HOAI 2021 verweist bei diesen Fragestellungen im Bereich der Fälligkeit auf §650g Abs.4 BGB beziehungsweise für Abschlagszahlungen auf §632a BGB und eben nicht mehr auf Regelungen in der HOAI selbst.

Welche Änderungen kommen auf private Bauherren zu?

Experten erwarten, dass Bauherren in Zukunft einen größeren Verhandlungsspielraum bekommen. Für Leistungen, die bislang der alten HOAI mit verbindlichen Mindest- und Höchsthonorarsätzen unterlagen, gibt es nun unverbindliche Honorartafeln zur Orientierung. Es ist aber nun auch möglich, Honorare zu vereinbaren, die unter oder über den ehemaligen Honorarspannen liegen.

Werden die Architekten jetzt teurer?

Ob Honorare in Zukunft steigen, wird im Wesentlichen von der weiteren Entwicklung der Konjunktur abhängen. Aktuell sind Architekten und Ingenieure gut im Geschäft und haben somit aktuell die besseren Karten. Lässt die Konjunktur nach – beispielsweise durch einen Zinsanstieg oder durch die Corona-Pandemie – kann sich der Markt schnell drehen und die Bauherren können das Preisruder übernehmen.

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