Insolvenzen 2021 – weiterhin auf künstlich niedrigem Niveau

Gute Nachrichten für Unternehmen: Der weltweit tätige Kreditversicherer, Euler Hermes, rechnet laut einer Studie mit einem weiterhin niedrigen Niveau der Unternehmensinsolvenzen. Die Fallzahlen dürften im laufenden Jahr sogar noch niedriger ausfallen als vor Beginn der Pandemie in 2019. Als wesentlichen Grund hierfür gibt Euler Hermes die umfangreichen Maßnahmenpakete an, die etabliert wurden, um die Folgen der Pandemie für die Unternehmen zu verringern.

Durch die Verlängerung und Ausweitung der staatlichen Hilfsmaßnahmen erwartet Euler Hermes auch für das laufende Jahr 2021 keinen sprunghaften Anstieg der Unternehmenspleiten. Ausgehend von den aktuellen Rahmenbedingungen prognostiziert der Kreditversicherer in seiner aktuellen Analyse zwar einen Zuwachs der Insolvenzen in Deutschland um rund 6%, allerdings erst ab dem zweiten Semester 2021 und von einem niedrigen Niveau kommend. Erst im Laufe des Jahres 2022 rechnet Euler mit einem Zuwachs in der Größenordnung von 15%. Die Fallzahlen 2022 dürften dann jedoch nur 4% höher liegen als 2019. Das würde in etwa dem Niveau von 2017 entsprechen, womit Deutschland im internationalen Vergleich gut dastünde.

Dabei hängt laut Euler die Insolvenzentwicklung nicht vom Marktumfeld, sondern von den Hilfsmaßnahmen ab. „Es ist paradox: Trotz einer der größten Wirtschaftskrisen sind Insolvenzen in Deutschland im vergangenen Jahr mit rund minus 15% deutlich auf einen neuen Niedrigstand seit 1993 gesunken“, sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in der DACH-Region. „Das zeigt, wie stark die Insolvenzentwicklung von der tatsächlichen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und dem aktuellen Zustand der Unternehmen entkoppelt ist.“

Van het Hof führt weiter aus: „Das wird nicht ewig so weitergehen. Aber auch mit der sukzessiven Rückker in eine neue Normalität ist ein umgehender oder sprunghafter Anstieg dadurch erst einmal nicht in Sicht. Für deutsche Unternehmen ist dies zunächst eine gute Nachricht in diesen herausfordernden Zeiten.“ Euler folgert in der Studie weiter, dass trotz des erneuten und verlängerten Lockdowns, der viele Branchen empfindlich trifft, die gesamtwirtschaftlichen Aussichten für 2021 – auch wegen des zunehmenden Fortschritts bei den Impfungen – relativ gut seien. Im zweiten Semester des Jahres könnte es zu einem „Nachholboom“ und einer deutlichen wirtschaftlichen Erholung kommen.

Euler Hermes empfiehlt den Unternehmen, ihre Finanzen genau im Blick zu behalten und strategische Weichen zu stellen. „Gerade jetzt ist es wichtig, dass die Unternehmen einerseits ihre Finanzen gut im Blick haben und andererseits schon heute strategische Weichen für die Zukunft stellen“, so der Euler-Chef. „Das ist manchmal ein Spagat, denn nicht bei allem ist aktuell genügend Spielraum für Investitionen. Dennoch birgt jede Krise Chancen. Wir haben im letzten Jahr gesehen, dass einige Unternehmen diese genutzt und kreative Konzepte entwickelt haben und damit sehr erfolgreich sind.“

Anstieg bei Großinsolvenzen

Firmen empfiehlt Euler Hermes weiterhin wachsam zu bleiben und ganz genau auf ihre Kunden zu schauen. „Unternehmen sollten weiterhin auf ein sorgfältiges Risikomanagement achten und sich weder allein durch die jüngste Insolvenzentwicklung in falscher Sicherheit wiegen noch von großen und bekannten Namen täuschen lassen“, sagt van het Hof. „Trotz imsgesamt rückläufiger Fallzahlen sind in Deutschland die erwarteten Forderungsverluste, also die Schäden, die den Unternehmen voraussichtlich durch Insolvenzen entstehen, deutlich gestiegen: von 26,3 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf über 42 Milliarden im Jahr 2020. Zudem haben sich 2020 große Insolvenzen in Deutschland gegen den allgemeinen Trend fast verdoppelt, mit entsprechenden Schneeballeffekten in den Lieferketten. 58 große Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro gingen in 2020 in die Insolvenz gegenüber 32 im Vorjahr – trotz der bis zum Herbst letzten Jahres ausgesetzten Insolvenzantragspflicht. Laut Euler Hermes häufen sich die großen Insolvenzen in vielen Branchen, z. B. im Einzelhandel. Das würde vor allem zeigen, dass große Unternehmen eine Insolvenz häufiger als Sanierungsinstrument nutzen, während kleine und mittelständische Unternehmen 2020 durch die ausgesetzte Insolvenzantragspflicht geschützt wurden.

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