Irak: Regierungschef übersteht Drohnenangriff

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Bagdad (dpa) – Der irakische Regierungschef Mustafa al-Kasimi hat am Sonntag einen Drohnenangriff auf seine Residenz in Bagdad unbeschadet überstanden. «Der Premier blieb unversehrt und ist bei guter Gesundheit», teilte das militärische Sicherheitszentrum nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur INA mit. Al-Kasimi selbst twitterte kurz darauf ebenfalls, dass es ihm gut gehe. «Ich fordere von allen Ruhe und Zurückhaltung im Irak.»

Bei dem Angriff am frühen Morgen sei eine mit Sprengstoff beladene Drohne eingesetzt worden, berichtete INA. Die Agentur veröffentlichte Aufnahmen von Zerstörungen an einem Gebäude. Die Residenz liegt innerhalb der besonders geschützten Grünen Zone im Zentrum der irakischen Hauptstadt. Nach unbestätigten Berichten des Nachrichtenkanals Al-Arabija wurden mindestens fünf Leibwächter verletzt. Die Sicherheitskräfte hätten die «notwendigen Maßnahmen» ergriffen, hieß es weiter in der Mitteilung. Der Angriff ist eine weitere Eskalation in der politischen Krise, die der stark vom Öl abhängige Irak derzeit erlebt. 2019 waren Massenproteste gegen die politische Führung und die schlechte Wirtschaftslage ausgebrochen. Al-Kasimi hatte deswegen die Parlamentswahl um mehrere Monate vorgezogen. Das vorläufige Ergebnis verschärfte die Spannungen weiter. Das endgültige Ergebnis steht noch nicht fest.

Nach dem Angriff gab der Regierungschef eine Erklärung ab, die im Fernsehen wurde. «Mein Haus wurde einer heimtückischen Aggression ausgesetzt», sagte Al-Kasimi. Er rief die Menschen im Irak zu einem «objektiven und konstruktiven Dialog» auf. Die emiratische Zeitung «The National» berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass Al-Kasimi bei dem Angriff am linken Handgelenk leicht verletzt wurde. Im Fernsehen war ein Verband an seiner linken Hand zu sehen. Wer hinter dem Angriff steckte, blieb zunächst unklar. «The National» berichtete aus Sicherheitskreisen, die Drohnen ähnelten Drohnen iranischer Bauart, die bei vergangenen Angriffen im Irak genutzt worden seien. Im Irak kam es schon früher immer wieder zu Angriffen mit Raketen und Drohnen auf diplomatische und militärische Einrichtungen. Meist wurden dahinter örtliche Milizen vermutet, von denen manche vom Nachbarland Iran unterstützt werden.

Die Lage im Irak ist seit der Parlamentswahl vor knapp vier Wochen angespannt. Am Freitag kam es in Bagdad bei Demonstrationen gegen das Ergebnis zu Zusammenstößen mit mehr als 100 Verletzten. Bei den Demonstranten handelte es sich vor allem um Anhänger von Parteien, die eng mit schiitischen Milizen verbunden sind und vom Iran unterstützt werden. Diese hatten bei der Wahl viele Sitze verloren. Die UN-Unterstützungsmission im Irak verurteilte den Angriff. «Terrorismus, Gewalt und unrechtmäßige Handlungen dürfen die Stabilität des Iraks nicht untergraben und seinen demokratischen Prozess entgleisen lassen.» Das US-Außenministerium sprach von einem «offenkundigen Terrorakt», der «auf das Herz des irakischen Staats» gerichtet gewesen sei.

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