Thunberg: Deutschland größter Klima-Bösewicht

Foto: Jörg Carstensen/dpa

Berlin (dpa) – Die schwedische Initiatorin von Fridays for Future, Greta Thunberg, hat Deutschland kurz vor der Bundestagswahl als «einen der größten Klima-Bösewichte» bezeichnet.

«Deutschland ist der viertgrößte Kohlenstoffdioxid-Emittent in der Geschichte, und das bei einer Bevölkerung von 80 Millionen Menschen», sagte Thunberg am Freitag vor dem Bundestag. «Deutschland ist objektiv gesehen einer der größten Klima-Bösewichte.» In ihrer Rede, die von Applaus und Zustimmung begleitet wurde, forderte sie eine Veränderung des «Systems». Man könne sich aus der Krise nicht «herausinvestieren, bauen oder kaufen», so Thunberg. «Und je länger sie so tun, als könnten wir die Krise innerhalb des heutigen Systems lösen, desto mehr Zeit verlieren wir.»

Tausende Demonstrantinnen und Demonstranten versammelten sich am Freitag auf der Wiese vor dem Reichstag, auch die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer sprach. Sie kritisierte die Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD) für ihre Klimapolitik. «Einen Sommer lang musste sich Olaf Scholz anhören, dass sein durchgeknallter Plan, Kohle bis 2038 laufen zu lassen, zum Scheitern verurteilt ist», sagte Neubauer. «Wir haben die Parteien dazu gezwungen, einen Sommer lang über Klimapolitik zu reden, obwohl ihre Programme dafür nicht ausreichen und das wissen sie auch selbst. Kein Wunder, dass Sie dann lügen müssen, Herr Laschet.» Thunberg verließ später gemeinsam mit Neubauer unter Polizeischutz den Platz vor dem Reichstagsgebäude, wie eine dpa-Reporterin berichtete. Zuvor hatten drei Männer die Klimaaktivistin bedrängt und beleidigt.

In ganz Deutschland waren laut Fridays for Future mehr als 450 Aktionen geplant, darunter große Kundgebungen in Hamburg, München, Köln und Freiburg. Die Demonstrationen sind Teil des internationalen Aktionstags für mehr Klimaschutz vor der Bundestagswahl. Unter den größtenteils jungen Demonstranten in Berlin waren auch viele Schüler, die an dem Tag einen Schulstreik ausriefen. Eine Gruppe von Kindern aus der 3. bis 6. Klasse hielt Transparente hoch und rief im Sprechchor: «Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut». Der zehnjährige Sasha sagte: «Wir wollen nicht, dass die Welt kaputt geht und mit Plastik voll ist.» Auf Plakaten standen Slogans wie: «Oma, was ist ein Schneemann?» oder «Die Natur verhandelt nicht». Unter dem Motto «Alle fürs Klima» haben sich dem Protest nach Angaben von Fridays for Future auch zivilgesellschaftliche Organisationen wie Umweltverbände und Kirchen angeschlossen. Darüber hinaus sollen sich auch mehr als 4000 Unternehmen beteiligen. Die letzte weltweite Protestaktion war am 19. März dieses Jahres.

Die Bundesregierung verwies unterdessen auf Fortschritte im Klimaschutz. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Freitag in Berlin, die Regierung habe ihre Anstrengungen verstärkt, um neue Klimaziele zu erreichen. Es gebe eine neue Dynamik sowohl in Deutschland als auch auf europäischer Ebene. Es seien vielerlei Prozesse im Gang, die von der neuen Bundesregierung mit Überzeugung und Konsequenz weitergeführt werden müssten. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe wiederholt betont, wie wichtig es sei, dass sich Menschen für den Klimaschutz einsetzen. Die Bewegung Fridays for Future habe «natürlich etwas erreicht».

THEMEN: Klimaschutz