Flächenmässig neunmal so groß wie Berlin und trotzdem leben in der als Planstadt 2005 errichteten und inzwischen Hauptstadt von Myanmar lediglich 300.000 Menschen. Trotzdem kann man auf 22spurigen Autobahnen getrost spazieren gehen. Wir sprechen genau von dem Myanmar, das aktuell wieder auf die Bühne der Weltöffentlichkeit zurückgekehrt ist, weil die Militärjunta mit brachialer Gewalt gegen friedliche Demonstranten vorgeht. Die UN-Sondergesandte Christine Schraner Burgener befürchtet sogar den Ausbruch eines Bürgerkriegs. Die Schweizer Diplomation geht in ihrem Bericht zur Lage in Myanmar noch weiter: „Ein Blutbad steht unmittelbar bevor!“. Die Militärmachthaber sind offensichtlich fest dazu entschlossen, ihre Position mit Gewalt zu sichern. Somit sei zu befürchten, dass Myanmar zu einem „gescheiterten Staat“ abgleiten könnte.

Myanmar, oder auch auch manchmal noch Birma genannt, ist ein Staat in Südostasienund grenzt an Thailand, Laos, die Volksrepublik China, den Nordosten Indiens, Bangladesch und den Golf von Bengalen. Das Land steht de facto seit 1962 unter einer Militärherrschaft, die zwischen Februar 2011 und Februar 2021 über demokratische Elemente und einen zivilen Präsidenten als Staatsoberhaupt verfügte. In einem Putsch am 1. Februar 2021 riss das Militär die gesamte Staatsgewalt wieder an sich, nahm demokratisch gewählte Volksvertreter fest und verhängte den Notstand.

Mandalay, die zweitgrößte Stadt von Myanmar

Ende 2005 wurde die bisherige Hauptstadt Rangun durch die bis dahin bei der Bevölkerung völlig unbekannte, gar geheim gehaltene Stadt Naypyidaw abgelöst, die man sicherlich als eine der absurdesten Städte im asiatischen Raum bezeichnen kann. Westliche Quellen vermuten hinter der Gründung von Naypyidaw die Angst der Machthaber vor bewaffneten Angriffen in der früheren Hauptstadt Rangun, die direkt am Meer liegt und damit als Einfallstor für feindliche Truppen geeignet gewesen wäre. Schaut man sich in Naypyidaw um, kann man erkennen, dass das eigentlich bettelarme Land beim Aufbau seiner neuen Hauptstadt nicht gekleckert, sondern richtig geklotzt hat. Schätzungen gehen von rund 5 Milliarden Dollar Kosten für die „Stadt der Könige“, so die Übersetzung von Naypyidaw, aus. Darin inklusive aber auch der Palast des damaligen Diktators Than Shwe, der 2011 abtrat, mit rund 100 Zimmern.

Nach Berichten der Süddeutschen Zeitung ist Naypyidaw in unterschiedliche Viertel oder Zonen eingeteilt. So haben beispielsweise Hotels, Ministerien und das Militär eigene Zonen innerhalb der riesigen Stadt. Die Süddeutsche schreibt weiter, dass die Größe der Stadt und die daraus resultierende Leere durchaus Kalkül der Planer gewesen sei. „Naypyidaww ist ein gigantisches und sehr effektives Instrument der Überwachung und Ruhigstellung.“ Denn in einer derartig großen Metropole ließen sich Einzelne effektiver beobachten, so die SZ weiter.

Urlaub in Naypyidaw

Urlaub in Naypyidaw ist möglich, obgleich aktuell eine generelle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für alle Teile Myanmars existiert.

Visa sind relativ einfach zu erhalten, da das Land den Nutzen aus den Devisen, die der Tourismus mit sich bringt, schätzen gelernt hat. Es gibt sowohl Befürworter als auch Gegner des Tourismus in Myanmar. Viele regierungsunabhängige Institutionen warnen vor einem Boykott des Tourismus, da viele Arbeitsplätze in Myanmar direkt oder indirekt abhängig davon sind, dass Touristen ins Land kommen. Auch kommen so Informationen aus dem Land und ins Land, das ansonsten recht abgeschottet zum Rest der Welt ist. Gegner riefen Touristen lange zum Boykott auf, da sie vermuteten, die Devisen würden lediglich das Militärregime und nicht die Bevölkerung unterstützen.

Das Kempinski Hotel Naypyidaw (Aussenansicht)

Zwar wird Myanmar gerne als das Land der Tausend Pagoden bezeichnet, allerdings darf man auf keinen Fall vergessen, dass den Charme des Landes dessen Einwohner ausmachen. Die Menschen sind unglaublich gastfreundlich, fröhlich und herzlich – vorausgesetzt man begegnet Ihnen in der riesigen Stadt. Es gibt in Naypyidaw zahlreiche Hotels, deren Mitarbeiter sich herzlich freuen, wenn sie Gäste begrüßen dürfen. Sowohl für den kleinen als auch für den etwas größeren Geldbeutel gibt es genügend Auswahl.

Lobby des Naypyidaw Hilton Hotel

Verbringen Sie Ihren Urlaub ausschließlich in der Hauptstadt, rechnen Sie aber bitte mit gähnender Leere. Das ist angenehm, um in Ruhe die Stadt zu besichtigen oder Kultur zu erleben. Wollen Sie intensiv auch mit den Menschen in Kontakt kommen, machen Sie lieber eine Rundreise und erleben Sie dabei alle Schönheiten dieses asiatischen Kleinods.

Erfahrungen

Einige exemplarische Berichte von tripadvisor.de

„Nay Pyi Taw als neue Hauptstadt von Myanmar scheint für die Zukunft gebaut zu sein, mit momentan noch fast verkehrslosen z.T. 10-spurigen Straßen pro Richtung.“ (Februar 2018)

„Riesige Anlage mit tollen Bungalows in einer „Geisterstadt“ (Hotelbewertung Oktober 2017)

„Außer anderen Hotels und 2 Supermärkten in 15 minütiger Entfernung ist dort gar nichts. Also wirklich nichts los.“ (Oktober 2017)

„Obwohl alle Reisebüros zum jetzigen Stand die Haupstadt meiden, empfehlen wir es zu besuchen, um das Land besser zu verstehen. Die Stadt bietet mehr als man denkt (breite Parlamentsstraßen, Water Fountain Garden, National Landmark Garden, Sathta Sathtaha Grand Pagoda)“ (Februar 2016)

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