Das Geschäft mit notleidenden Krediten (NPL)

Seit Anfang 2000 sind Non Performing Loans (NPL) in den Fokus gerückt. Eröffnen sich doch damit für die Banken Möglichkeiten der Portfoliobereinigung, aber auch Risiken und Chancen für die Kreditnehmer. Eine genaue Definition eines Non Performing Loans gibt es nicht – am ehesten trifft aber „notleidend“ zu. Inwieweit und wann ein Kreditengagement notleidend ist, differiert aufgrund unterschiedlicher Richtlinien und Vorgaben in Bezug auf steuerliche, bilanzielle und aufsichtsrechtliche Regularien.

Neben den NPL sind auch sogenannte Sub Performing oder Distressed Assets bekannt. Es handelt sich hierbei um Verbindlichkeiten, bei denen der Schuldner in nicht unerheblichen finanziellen Schwierigkeiten steckt. An den Finanz- und Kapitalmärkten werden sowohl Distressed, Sub Performing und Non Performing Loans gehandelt. Der Markt kennt dabei unterschiedliche Transaktionen auf Single Names, Baskets und Portfolien. Darüberhinaus gibt es auch sogenannte Undesirable Loans (unerwünschte Darlehen), die ebenfalls an Investoren verkauft werden.

Die Veräußerung von NPL weist aus Verkäufer- und Investorsicht völlig gegensätzliche Aspekte auf. Während Banken ihre NPL als Fehler in der Kreditvergabe in der Vergangenheit sehen, stellen NPL auf der Investorenseite ein laufendes Geschäft dar. Unter Berücksichtigung eines entsprechenden Pricings überwiegt beim Investor die Chance auf ein gutes Geschäft.

Motivation aus Investorensicht

  • Restrukturierung des eigenen Business
  • Weiterverkauf oder Platzierung
  • Realisierung schneller Gewinne
  • Quereinstieg in interessante Immobilienprojekte

Motivation aus Verkäufersicht

  • direkte Wertrealisierung
  • Risikoverifikation
  • Restrukturierung des Portfolios
  • Freisetzung finanzieller und Humanressourcen
  • Eigenkapitalentlastung
  • Verbesserung des Eigenratings

NPL-Deals weisen insgesamt eine sehr geringe Publizität auf. Grund hierfür sind die üblicherweise von beiden Seiten abgegebenen Vertraulichkeitserklärungen. Da auch der Verkauf von NPL nicht unbedingt das Renommee des Verkäufers erhöht, bleiben die Transaktionen der Öffentlichkeit häufig verborgen.

Wer verdient Geld mit Non Performing Loans?

Ausgangspunkt sind Banken, die Kredite vergeben haben und die entweder notleidend geworden sind oder strategisch nicht mehr in das Gesamtkreditportfolio der Bank passen. Diese Kredite werden dann zum Erwerb angeboten. Die Spanne des Kaufpreises – in Abhängigkeit zur tatsächlichen Ausfallwahrscheinlichkeit und Verwertbarkeit – liegt normalerweise zwischen 10-60% der valutierenden Darlehenssumme. Die Käufer dieser Kreditportfolien sind überwiegend us-amerikanische Finanzinvestoren. Die verkaufenden Banken treten dabei die Rechte an den Krediten gegen entsprechende Zahlung an den Käufer ab. Nach eigenen Angaben erwirtschaftet beispielsweise der Finanzinvestor Lonestar mit NPL eine Rendite zwischen 20-30%. Allerdings sind diese Renditen nur unter Nutzung des Leverage-Effekts (Hebeleffekt) realisierbar. Üblicherweise treiben die Kreditkäufer die Kredite nicht selber ein, sondern gründen hierfür spezielle Servicegesellschaften, die sich um die Überwachung der Ratenzahlungen, die klagsweise Beitreibung und im worst case um die Zwangsversteigerung kümmern.

Darüber hinaus fungieren die Servicegesellschaften auch als Treuhänder der Daten aus dem Kreditportfolio, da aufgrund der Geheimhaltungspflicht in Verbindung mit dem Umgang personenbezogener Daten die Investoren selbst keine Kenntnis haben dürfen, wer konkret hinter den einzelnen Adressen der erworbenen Kredite steht. Die Servicegesellschaften erhalten für Ihre Tätigkeiten entsprechende Vergütungen und Provisionen, während der Investor erwartet, dass die Servicegesellschaft einen entsprechenden Mittelzufluss an den Investor generiert.

THEMEN: Kreditwirtschaft