SPAC? Nie gehört? Mit inhaltslosen Unternehmensmänteln gehen Investoren derzeit an die Börse. Diese Börsenvehikel haben ihren Ursprung in den USA und sind dort schon länger ein boomendes Business. Eine Special Purpose Acquisition Company ist ein Akquisitionszweckunternehmen bzw. eine Mantelgesellschaft, die zunächst Kapital über einen Börsengang einsammelt, um dieses in einem zweiten Schritt in die Übernahme eines (vorher noch nicht fest bestimmten) Unternehmens zu investieren. Im vergangenen Jahr hat es 250 IPOs solcher Börsenvehikel gegeben, die inzwischen einen Marktwert von knapp 80 Milliarden Dollar darstellen.

Wie funktioniert ein SPAC?

Üblicherweise wird ein SPAC aus dem Umfeld von Private-Equity-Firmen, aber auch von Unternehmern oder einem Zusammenschluss von Unternehmern, initiiert. Dieser sog. Sponsor investiert auch eigenes Kapital und übernimmt die unternehmerische Führung des Vehikels. Im ersten Step wird das Vehikel an die Börse gebracht und das damit erwirtschaftete Geld auf einem Treuhandkonto geparkt, bis die SPAC einen oder mehrere Unternehmenskäufe tätigt. In welchem Zeitraum und in welche Branchen oder Sektoren dies zu erfolgen hat, ist üblicherweise in der Satzung der Gesellschaft festgelegt. Meistens handelt es sich hier um ein Zeitfenster von 12 bis 24 Monaten. Die Idee dahinter ist, ein davor noch nicht an der Börse gelistetes Unternehmen durch die Übernahme handelbar zu machen.

Findet sich innerhalb des satzungsmäßigen Zeitraums ein passendes Unternehmen, tritt die Hauptversammlung zusammen und beschließt den Kauf. Anderenfalls kommt es zur Auflösung des SPAC und die Gelder werden an die Aktionäre zurückgezahlt. Gleiches gilt auch dann, wenn innerhalb des vorgegebenen Zeitraums kein adäquates Unternehmen zum Erwerb gefunden wird.

Für das gekaufte Unternehmen kann die Übernahme durch einen SPAC durchaus sinnvoll und eine Alternative zu einem klassischen Börsengang sein. Durch die Übernahme vermeidet man den teuren und langwierigen IPO-Prozess und die damit verbundenen Unsicherheiten. Insbesondere kann dies interessant sein für junge Wachstumsfirmen.

Frühere SPACs in Deutschland

Auch wenn das Heimatland der SPACs die USA sind, hat es doch in der Vergangenheit den einen oder anderen – erfolglosen – SPAC in Deutschland gegeben:

GERMANY 1

Germany 1 wurde vom Unternehmensberater Roland Berger, dem Ex-UBS-Banker Florian Lahnstein und dem damals noch schillernden Arcandor-Boss Thomas Middelhoff initiert und sammelte beim Börsengang am 21. Juli 2008 rund 250 Millionen Euro an der Börse in Amsterdam ein. Es wurden 25 Millionen Einheiten, bestehend aus je einer Aktie und einem Optionsschein, zum Festpreis von 10 Euro, überwiegend an vermögende Privatinvestoren, Publikumsfonds aber auch an Banken, verkauft. Als Zielobjekt hatte man sich die AEG Power Solutions, ein Leistungselektronikunternehmen und Zulieferer der damals boomenden Solarindustrie ausgeguckt, die dann für 200 Millionen in Bar und knapp 20 Mio. Germany 1-Aktien in das Eigentum des SPAC überging. Die Gesellschaft wurde nach Luxemburg verlegt und in 3W Power Holdings S. A. umfirmiert. 2017 ging das Unternehmen in die Insolvenz, 2018 erfolgte das De-listing. 35% der Anteile befanden sich damals im Streubesitz. Großaktionäre waren neben den Initiatoren Roland Berger und Thomas Middelhoff auch der Ex-AWD-Eigentümer Carsten Maschmeyer.

EUROPE CLEANTECH 1

Europe Cleantech wurde 2010 von Dr. Helmut Vorndran, Willi Mannheims und Sven-Roger von Schilling mit dem Ziel gegründet, ein oder mehrere operativ tätige Unternehmen im Bereich CleanTech zu erwerben. Der Fokus lag dabei auf u. a. Unternehmen in Privat- oder Familienbesitz. Als Zielobjekt entschieden sich die Initiatoren für die Electrawinds, einen integrierten Hersteller von Ökostrom aus Windenergieparks, Biomasse- und Solaranlagen und erwarben 24% an der Gesellschaft. Das Konkursverfahren über das Vermögen der Gesellschaftwurde im Januar 2019 eröffnet.

Aktueller SPAC in Deutschland
Der Lakestar SPAC 1

Am 18.02.2021 verkündete die in Luxemburg ansässige Lakestar SPAC 1 SE den Abschluss der mehrfach überzeichneten Privatplatzierung und einen Bruttoerlös von 275 Mio EUR. Der Sponsor und Vorsitzender des Aufsichtsrat der Lakestar SPAC 1, Dr. Klaus Hommels, ergänzte: Wir freuen uns sehr, dass unser Angebot so deutlich überzeichnet war. Neben dem Vertrauen, das Investoren in unser Netzwerk und in unsere Expertise setzen, werte ich das enorme Interesse von Investoren als Zeichen der Zuversicht in die Möglichkeiten, die der europäische Tech-Sektor bietet und die meiner Meinung nach reichlich vorhanden sind. Wenn Europa eine erfolgreiche Tech-Szene finanzieren und die digitale Souveränität fördern will, braucht es auch eine erfolgreiche Finanzszene. Wir wollen unseren Teil dazu beitragen und die eingesammelten 275 Millionen Euro für das vielversprechendste europäische Tech-Unternehmen und sein Management einsetzen.“ Strategie des Lakestar SPAC 1 ist der Erwerb eines europäischen late-stage Wachstumsunternehmens im Technologiesektor mit einem Eigenkapitalwert zwischen 750 Mio. EUR bis 4 Mrd. EUR.

SPACs für Privatanleger?

Ähnlich wie bei gewöhnlichen Börsengängen können sich Privatanleger in der Regel erst dann am Unternehmen beteiligen, nachdem es seinen Börsengang vollzogen hat. Somit verpassen sie oft die ersten, meist hohen Kursanstiege am Tag des IPOs. Trotzdem zeigen die letzten Wochen und Monate, dass SPACs auch nach dem IPO munter weiter steigen können – auch wenn ein mögliches Übernahmeziel noch längst nicht in Sicht ist. Anleger, die einsteigen wollen, müssen sich jedoch stets dessen bewusst sein, dass sie ein weitaus höheres Risiko eingehen als grosse institutionelle Investoren. So haben Privatanleger in der Regel kein Recht darauf, von Optionsscheinen zu profitieren, die sie zum Kauf weiterer Aktien berechtigen, wenn ein Übernahmekandidat gefunden wurde. Zudem können Grossinvestoren ihr gesamtes Kapital zurückverlangen, wenn ihnen die akquirierte Firma nicht passt, Privatanleger ist diese Option vorenthalten. Sie sind voll und ganz dem Willen und auch dem Geschick des SPAC-Sponsoren ausgeliefert.

Je länger ein SPAC am Markt ist, ohne ein passendes Übernahmeziel gefunden zu haben, desto höher ist der Anreiz für den Sponsoren, einen schlechten Deal einzugehen. Grund: Das Ganze wird für Sponsoren erst lukrativ, wenn am Ende tatsächlich ein Deal zustande kommt. Die mögliche Folge eines schlechten Last-Minute-Deals: Der Kurs des SPACs rauscht in die Tiefe. Eine Studie von Goldman Sachs zeigt, dass die Kurse von 56 untersuchten SPACs, die Anfang 2018 an den Start gingen, zwar zunächst den Markt outperformten. Doch nach dem Firmenkauf hat sich der Kurs schlechter als der Markt entwickelt. Kritische Marktbeobachter raten Privatanlegern dazu, sich der Interessen der SPAC-Gründer bewusst zu sein. Nicht alle wollen langfristig im Investmentvehikel investiert bleiben, sondern planen nach Gewinnrealisierungen auszusteigen. Manche sprechen gar davon, dass einige SPAC-Sponsoren auf den Rücken von Privatanlegern, die (zu) spät auf den Zug aufgesprungen sind, Kasse machen. Das gilt mit Sicherheit nicht für jeden SPAC-Sponsor, trotzdem sollten sich Anleger der unterschiedlichen Interessen bewusst sein. 

Vor dem Hintergrund, dass man als Privatanleger mit einem SPAC meist die Katze im Sack kauft, ohne zu wissen, auf welches Geschäftsmodell man setzt, ergeben sich zwangsläufig Zweifel an der Notwendigkeit eines solchen Investments. Der Markt bietet eine Fülle an Investmentgelegenheiten für Privatanleger, seien es Aktien, ETF oder Fonds. Hier weiss man als Anleger, worin man sein Geld steckt – und welche Risiken man eingeht.

THEMEN: SPAC, Alternative Investments, Geldanlage