Studie: Kredite nicht vor der Mittagspause beantragen

Wer mit seiner Bank über einen Kredit oder eine Umschuldung sprechen will oder muss, sollte den Termin hierfür nicht auf die Zeit vor der Mittagspause legen, denn das Mittagstief kennen viele Arbeitnehmer: Wichtige Entscheidungen fallen nach Stunden konzentrierter Arbeit schwer, so dass man in diesem Fall die einfachste Lösung wählt. Man kann es auch Entscheidungsmüdigkeit nennen. Und das gilt laut einer Studie der renommierten Royal Society Open Science auch für Bankangestellte.

Legen Sie also den Termin für Ihr Begehr besser nicht vor die Mittagspause Ihres Sachbearbeiters. Das ist zumindest das Ergebnis der britischen Psychologen. Der Studie zufolge ist zu dieser Zeit die Wahrscheinlichkeit höher, dass der entsprechende Antrag abgelehnt wird. Wie die Psychologen berichten, ist das auf die sogenannte Entscheidungsmüdigkeit zurückzuführen und genau diese wirkt sich laut Studie nicht nur negativ für den Antragsteller aus, sondern kostet auch die Bank viel Geld. Mit der sogenannten Entscheidungsmüdigkeit wird jene Müdigkeit beschrieben, die entsteht, wenn man über einen längeren Zeitraum hinweg schwierige Entscheidungen treffen muss. Bereits in der Vergangenheit wurden Studien veröffentlicht, dass Menschen in einem solchen Zustand dazu geneigt sind, auf Standardentscheidungen zurückzugreifen: es wird die Option gewählt, die vermeintlich einfacher oder sicherer erscheint.

Die Wissenschaftler Simone Schnall und Tobias Baer vom Department of Psychology der Universität Cambridge haben untersucht, wie sich dieses Phänomen bei Banken auswirkt. Konkret haben die beiden Forscher die Entscheidungen einer großen Bank über einen Monat hinweg analysiert und sich dabei knapp 27.000 Kreditanträge genauer angeschaut. Dabei ging es um Anträge von Kunden auf Umschuldung – also von Kunden, die bereits einen Kredit hatten, aber aufgrund von Tilgungsschwierigkeiten die Bank um eine Anpassung der Rückzahlung baten. Laut den Autoren sind solche Entscheidungen kognitiv sehr anspruchsvoll, da der Entscheider die finanzielle Leistungsfähigkeit des Kunden gegen die Risikofaktoren abwägen muss, die wiederum Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit der Rückzahlung des Kredits haben. Falsche Entscheidungen des Kreditsachbearbeiters können hier für die Bank sehr teuer werden. So führe die Genehmigung des Antrags zu einem Verlust im Vergleich zum ursprünglich vereinbarten Tilgungsplan – allerdings fällt dieser Verlust bei erfolgreicher Umstrukturierung deutlich geringer aus, als wenn der Kredit komplett ausfällt.

Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass der Entscheidungszeitpunkt eine gewichtige Rolle spielt. „Die Kreditsachbearbeiter waren morgens eher bereit, die schwierige Entscheidung zu treffen, einem Kreditkunden günstigere Tilgungsbedingungen zu gewähren und zeigten um die Mittagszeit aber Entscheidungsmüdigkeit und waren weniger geneigt, einem Antrag auf Kreditumstrukturierung zuzustimmen“, so die Hauptautorin der Studie, Simone Schnall. „Im Anschluss an die Mittagspause fühlten sich die Kreditsachbearbeiter dann wahrscheinlich erholter und waren wieder in der Lage, bessere Entscheidungen zu treffen.“ Ebenfalls ergab die Studie, dass Kreditkunden, deren Umschuldungsantrag entsprochen wurde, ihren Kredit mit höherer Wahrscheinlichkeit zurückzahlten, als wenn der Antrag abgelehnt wurde. Die Tendenz der Kreditsachbearbeiter, um die Mittagszeit herum mehr Anträge abzulehnen, war so mit einem finanziellen Verlust für die Bank verbunden. Wie die Wissenschaftler kalkulierten, hätte die Bank innerhalb eines Monats mehr als eine halbe Million Dollar mehr an zusätzlichen Kredittilgungen einnehmen können, wenn alle relevanten Entscheidungen vormittags getroffen worden wären.

„Selbst Entscheidungen, von denen wir annehmen, dass sie sehr objektiv und von konkreten finanziellen Erwägungen geleitet sind, werden von psychologischen Faktoren beeinflusst“, ergänzt Co-Autor Baer. Die Studienergebnisse unterstrichen, dass regelmäßige Pausen während der Arbeitszeit wichtig seien, um ein hohes Leistungsniveau sicherzustellen. Nicht zuletzt zeigten sie, dass kognitive Erschöpfung im Bankenumfeld – und möglicherweise auch in anderen Branchen – zu erheblichen Kosten führen kann.

THEMEN: Kreditwirtschaft, Verbraucher