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Washington (dpa) – Trotz des Vormarsches der militant-islamistischen Taliban halten die USA an ihrem Truppenabzug aus Afghanistan fest. «Wir konzentrieren uns darauf, den Abzug bis Ende des Monats abzuschließen», sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, John Kirby. Man teile allerdings die Besorgnis der internationalen Gemeinschaft über die Sicherheitslage im Land, «die sich eindeutig nicht in die richtige Richtung entwickelt». Sie verschlechterte sich eindeutig.

Der US-Verteidigungsminister sei aber nach wie vor der Überzeugung, dass die afghanischen Streitkräfte die Fähigkeit hätten, sich im Kampf gegen die Taliban zu verteidigen, sagte Kirby. «Sie haben eine Reihe von Vorteilen, die die Taliban nicht haben.» Er betonte: «Es ist ihr Land, das sie verteidigen müssen. Jetzt ist dies ihr Kampf.» Man werde Afghanistan aber bis zum Abzug Ende August und darüber hinaus weiter unterstützen. «Wir haben eine gewisse Fähigkeit, dies aus der Ferne zu tun, und die Angriffe, die wir durchgeführt haben, erfolgten alle aus der Ferne. Und wir werden diese Fähigkeiten auch weiterhin nutzen», sagte Kirby über Luftschläge. Die Flieger steigen außerhalb Afghanistans auf. Aber man verfüge derzeit natürlich über weniger Fähigkeiten als noch vor dem Abzug. Luftschläge würden durchgeführt, wenn es am sinnvollsten und machbar sei. Die USA wollen nach dem aktuellen Zeitplan bis Ende August ihre letzten Truppen aus Afghanistan abziehen. Seit dem Beginn des Abzugs der US- und Nato-Truppen Anfang Mai haben die Taliban massive Gebietsgewinne verzeichnet und erobern derzeit eine Provinzhauptstadt nach der nächsten. Die Taliban hatten von 1996 bis zur US-geführten Intervention 2001 weite Teile Afghanistans unter ihrer Kontrolle.

Nato sieht Entwicklung mit «tiefer Sorge»

Als besorgniserregend bewertet die Nato bewertet den Vormarsch der Taliban. Das hohe Maß an Gewalt bei ihrer Offensive, darunter Angriffe auf Zivilisten und Berichte über Menschenrechtsverletzungen, sehe man mit «tiefer Sorge», teilte ein Nato-Offizieller der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Taliban müssten verstehen, dass die internationale Gemeinschaft sie nie anerkennen werde, wenn sie den politischen Prozess verweigerten und das Land mit Gewalt erobern wollten. «Sie müssen ihre Angriffe beenden und redlich an Friedensgesprächen teilnehmen.» Der Konflikt lasse sich nicht militärisch lösen, hieß es weiter. Ein Friedensprozess unter afghanischer Führung müsse eine Waffenruhe und eine politische Lösung vorantreiben. Diese müsse insbesondere die Menschenrechte von Frauen, Kindern und Minderheiten wahren sowie sicherstellen, dass Afghanistan «nie wieder zum sicheren Hafen für Terroristen» würde. Die Nato rufe alle regionalen Akteure» dazu auf, konstruktiv dazu beizutragen, da alle von einem sicheren und stabilen Afghanistan profitieren würden.

Seit dem Beginn des Abzugs der internationalen Truppen Anfang Mai haben die Taliban massive Gebietsgewinne verzeichnet und erobern derzeit eine Provinzhauptstadt Afghanistans nach der nächsten. Trotz des alarmierenden Vormarsches hat Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan verteidigt.

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