Wer sich ein wenig mit Kryptowährungen auskennt und ein gewisses Maß an Risikoaffinität besitzt, konnte mit Bitcoins in den letzten Jahren einen ordentlichen Schnitt machen. Lag doch der Bitcoin-Preis 2014 gerade mal bei 8 US-Dollar. Heute, sieben Jahre später, schwankt der Preis bei sagenhaften 58.000 US-Dollar. Kein schlechter Schnitt, aber wie sieht es mit der Versteuerung von Gewinnen aus?

Wer in den letzten Jahren mutig unterwegs war, konnte zumindest im Wallet phantastische Gewinne erzielen. Und wer zu irgendeinem Zeitpunkt Bitcoins in reales Geld getauscht bzw. verkauft hat, hatte richtig Grund zur Freude. Aber immer dann, dann Gewinne erzielt werden, kommt ganz ungalant das Finanzamt um die Ecke und will auch einen Teil vom Kuchen abhaben.

Wie werden denn Bitcoin-Kursgewinne steuerlich behandelt?

Grundsätzlich gilt, dass der Gewinn realisiert wurde, damit eine Versteuerung zum Thema wird – analog zu Aktiengeschäften. Aber im Gegensatz zu Aktien unterliegen Gewinne aus Kryptogeschäften nicht der Abgeltungssteuer, sondern werden von den Finanzämtern als sogenanntes privates Veräußerungsgeschäft qualifiziert. Gleiches gilt im Übrigen auch für Kunst oder Antiquitäten. Diese Vermögensgegenstände sind dann in der Steuererklärung unter den „Sonstigen Einkünften“ zu erklären und werden mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert. Verluste können mit Gewinnen aus anderen Veräußerungsgeschäften verrechnet werden. Investoren, die nicht nur handeln, sondern auch schürfen (Mining), müssen hingegen die Gewinne wie solche aus einem Gewerbebetrieb versteuern.

Ein schwacher Trost angesichts der bisherigen Kursentwicklung: Bis zu einer Gewinngrenze von 600 Euro fällt keine Steuer an. Übersteigt der Gewinn die Grenze von 600 Euro – was in vielen Fällen wahrscheinlich sein dürfte – ist der komplette Gewinn steuerpflichtig.

Optimierung durch Spekulationssteuer

Kryptoinvestoren haben jedoch die Möglichkeit, einen größeren Teil vom Kuchen zu behalten. Dies ist dann der Fall, wenn zwischen Ankauf und Verkauf mehr als ein Jahr liegt. Dann wird der Gewinn durch die Spekulationssteuer geschützt. Dies gab es im Übrigen in der Vergangenheit auch für Aktien, bis der notorisch klamme Staat entschied, hier unabhängig von der Haltedauer seinen Anteil zu kassieren.

Etwas komplexer und bei Cryptotrades nicht selten wird es, wenn die Bitcoins zu unterschiedlichen Zeitpunkten und Kursen erworben wurden. Dann kommt die sogenannte „First-In-First-Out“-Methode ins Spiel. Bei dieser Methode wird unterstellt, dass diejenigen Bitcoins, die am frühesten gekauft wurden, als diejenigen angesehen werden, die auch als erstes verkauft wurden. Kann also der An- und Verkauf bestimmter Bitcoins deutlich von anderen Deals abgegrenzt werden, kommt die Spekulationssteuer zur Anwendung. Es ist Kryptoinvestoren daher dringend zu empfehlen, eine Art Tagebuch über An- und Verkäufe zu führen, um dem Finanzamt gegebenenfalls eine detaillierte Dokumentation des Verlaufs zur Verfügung stellen zu können. Eine simple Excel-Tabelle dürfte hierfür ausreichend sein.

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