Diamanten eignen sich nach Meinung von valomoney eher für Liebhaber als für renditehungrige Investoren. Schmuck ist schön, als Investment aber tückisch. Die Wertentwicklung kann böse Überraschungen bringen.

Wie kann man ein Produkt am besten verkaufen? EIgentlich ganz einfach, indem man eine schöne Story um das Produkt baut. Bereits die Tabakbranche kannte dieses Marketinginstrument und etablierte den „Marlboro Mann“, der als rauer und rauchender Cowboy durch den Wilden Westen zog. Nur am Rande sei erwähnt, dass die wenigsten Marlboro-Männer heute noch unter den Lebenden weilen. Die meisten hat der Lungenkrebs oder eine andere mit dem Rauchen verbundene Krankheit dahingerafft. Selbstverständlich ist dieses Kapitel dann nicht mehr Teil der öffentlichen Story. Der Diamantenindustrie ist vor rund 50 Jahren ein vergleichbarer Coup geglückt. Der James-Bond-Film „Diamantenfieber“ und dessen Titelmelodie „Diamonds are forever“, gesungen von Shirley Bassey, sind Kult bis heute.

Sind Diamanten eine alternative Anlagemöglichkeit?

Auch heute noch lockt die Edelstein- und Schmuckindustrie auf hoher emotionaler Ebene mit der Schönheit ihrer Produkte und auf der materiellen-finanziellen Ebene mit der angeblichen Knappheit der verwendeteten Rohmaterialien sowie der Aussicht auf steigenden Wert. Nun, das mag in Zeiten von Negativzinsen und beachtlicher Kursschwankungen an den Börsen all die Anleger reizen, die verzweifelt nach lukrativen, alternativen Anlagemöglichkeiten suchen. Gold gilt in diesem Zusammenhang oft als Klassiker, aber einige ganz Mutige mögen es auch mit Diamanten versuchen.

Genau jene riskieren aber schnell einen Realitätsschock. So zeigt schon der Blick auf die Preisentwicklung eines 1-karätigen, geschliffenen Diamanten hoher Qualität, dass diese sehr stark schwanken kann. Der Marktwert eines solchen Edelsteins ist während der Finanzkrise und Jahre später zwar in kürzester Zeit gestiegen, aber genauso schnell auch wieder deutlich gefallen. Der Durchschnittsanleger dürfte also in den vergangenen 15 Jahren wohl nur mit viel Glück und einem guten Händchen für Kauf- oder Verkaufsignale etwas mit seinem Diamanteninvestment verdient haben.

Durch die beachtlichen Steigerung der Förderung in den letzten Jahren gilt der Markt für Rohdiamanten bis auf weiteres als gut versorgt. Anbieter, wie beispielsweise der große Market player DeBeers sind sogar in der Lage, Steine bei fallenden Herstellungskosten in industriellem Maßstab künstlich herzustellen. Angeblich hätten diese die gleichen Eigenschaften wie die Naturdiamanten, so die Meldung aus dem Hause DeBeers.

Geht es um weiter verarbeitete Edelsteine wird es kompliziert und für den Laien so unübersichtlich, dass er unbedingt fachkundigen und seriösen Rat benötigt. Tatsächlich ergibt sich der Wert eines Diamanten aus vier Eigenschaften, den vier C:

Carat steht für das Gewicht
Clarity steht für Reinheit
Colour steht für Farbe
Cut steht für den Schliff

Am Ende des Tages gilt jeder Naturdiamant als einzigartig und nur schwer mit anderen vergleichbar. Prüfinstitute untersuchen die Eigenschaften besonders wertvoller Exemplare und stellen entsprechende Gutachten aus. Hier gibt es schon das erste Risiko für Laien: Schwarze Schafe auf dem Markt gibt es en masse, die versuchen, Leichtgläubige mit gefälschten Papieren für minderwertige Steine über den Tisch zu ziehen.

Im Gegensatz zu Aktien oder Anliehen werfen wertvolle Edelsteine keine laufenden Erträge in Form von Ausschüttungen oder Dividenden ab, sie sind aufgrund ihrer Individualität nur schwer handelbar (Fungibilität), es gibt in dem Sinne keinen geregelten Markt und sie verursachen Lagerkosten, da sie selbstverständlich sicher verwahrt werden müssen. Richtig kompliziert wird es dann, wenn die Diamanten zu Schmuckstücken weiterverarbeitet wurden.

Vergessen Sie das Design des Schmuckstücks nicht

Zahlt zum Beispiel der Ehegatte in spe für einen Verlobungsring gemäß einer alten Gesetzmäßigkeit drei Monatsgehälter, mag das erstmal eine nette und vor allem teure Geste sein. Zeigt er doch damit allen, wieviel ihm seine Zukünftige wert ist. Die böse Überraschung kommt dann, wenn der Ring – aus welchen Gründen auch immer – wieder zu Geld gemacht werden soll. Viele Verkäufer haben dann einen Wert im Kopf, der sich beispielsweise aus der Schätzung einer Versicherung ergibt. Diese geht allerdings von der Ausgangssituation aus, wie viel man ausgeben müsste, um ein vergleichbares Objekt neu zu erwerben. Geht es aber um den Verkauf, ist genau das Gegenteil der Fall und es kann durchaus problematisch werden, wenn das Schmuckstück aus der Mode gekommen ist. Was in den 1970er oder 1980er Jahren noch „in“ gewesen sein mag, kann heute ein absoluter Ladenhüter sein. In einer solchen Situation ist es ein guter Test, wenn man sich selber fragt, ob einem das Schmuckstück noch gefalle. Im Worst-case bleibt es beim Materialwert. Ankäufer, meistens Juweliere, sortieren die Schmuckstücke üblicherweise in zwei Kategorien: die, für die lediglich der reine Materialwert bezahlt werden kann und die, welche sich leicht als Schmuckstücke weiterverkaufen lassen. Hierzu gehören insbesondere Stücke mit zeitlosem Design oder solche von Weltmarken wie Cartier, Tiffany, Harry Winston, Chopard, Piaget oder Bulgari. Allerdings ist es aber eher selten, dass rare, alte Schmuckstücke enorm an Wert gewinnen. In Ausnahmefällen muss es sich dann schon um besondere Kollektionen oder aus anderen Gründen gefragte Schmuckstücke handeln. Besonders schwierig ist das Geschäft mit den Diamanten. Diese müssen mindestens 1 Karat haben, um gut handelbar zu sein. Sind diese beschädigt, müssen sie möglicherweise neu geschliffen werden – was bei kleinen Steinen schwer möglich ist.

Unser Fazit: Als Präsent für Ihre Liebste genau das Richtige, als Geldanlage nicht geeignet. Hier gibt es sicherere und lukrativere Anlageformen.

THEMEN: Diamanten, Sachwertanlage